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Archive for 30. April 2026

Wir haben Besuch aus MV – der Landesanglerverband hat Vertreter von Wasserverbänden und -behörden mitgebracht, möchte unser „Einfach mal machen!“-Experimentieren selbst bei möglichst vielen Gewässern und Gelegenheiten ausprobieren. Lebensraumverbesserung ist allüberall erforderlich. – Im vorigen Beitrag berichtete ich bereits vom Start unserer Exkursion an einem Nebenbach im oberen Pinnau-Einzugsgebiet.

Wir befinden uns an der oberen Pinnau – übertief ins Gelände eingeschnitten, überbreit für ein strukturiertes Niedrigwasserprofil, sonnenbebrannt „Dank“ fehlenden Baumbewuchses.

Hier haben wir im vorigen Jahr begonnen, die Extremerosion mit unglaublichem Sandtransport bachab durch dynamischen, punktuellen Uferschutz mit Kies zu bremsen. Ergänzend verhindern Rauschen die Tiefenerosion, bieten zudem Lebens- und Laichraum für ortstypische Organismen. – Zu den Eisen-gefärbten Startschüttungen sind kurz vor dem Besuch jüngst frische dazugekommen.

Und schon sind wir weiter – Ähnliches in klein, an einem Nebenbach der Mühlenau, Pinnau-Einzugsgebiet.

Wie ein Stillgewässer sieht dieser eigentlich munter plätschern wollende kleine Bach überbreit, übertieft, wegen Fehlens von Uferbäumen sonnenbebratzt in seiner unglücklichen Lage aus.

An der Oberfläche treibt Bräunlich-Schlammiges vorbei – ein Umweltdelikt ! ? ! ?

Nein, das ist kein Blähschlamm aus einer Kläranlage, dessen sich jemand entledigt hat. Das sind Kieselalgen (könnten – anders gefärbt – auch Grün- und / oder Blaualgen sein), die aufgrund des exzessiven Lichtüberschusses am Gewässergrund gewachsen sind.

Wir erinnern uns – da war was mit den Minimumfaktoren. Phosphor ist in aller Gedächtnis. Den haben wir insbesondere bei kommunalen Kläranlagen trefflich aus unseren allzu belasteten Gewässern entfernt. Da ist noch der Ammonium- (vorübergehend Nitrit-, letztlich Nitrat-) -Stickstoff. Auch den haben wir in kommunalen und industriellen Klärwerken halbwegs im Griff. Wer bislang so gut wie nicht handelte … die Landwirtschaft! Deren Phosphor- und Stickstoffausträge belasten nach wie vor unsere Gesamtlandschaft, insbesondere das Wasser unzuträglich.

Was fehlt in der bisherigen Betrachtung: Das Licht. Das ist im Naturzustand, auch im schonend bewirtschafteten Bach in der „Kultur“landschaft, auch im Flüsschen im Minimum – Dank randlichem, dreidimensional großem Uferbewuchs. Wo der fehlt, geradezu systematisch niedergemacht wird, wirkt die Sonne – verheerend.

Langer Text zu kleinen Algen! Die Sonne im Überschuss sorgt – nicht nur zur Zeit – angesichts hinreichender sonstiger Nährstoffe zu einer übermäßigen, einseitigen Biomasseproduktion.

Und warum treibt da nun dieser „Gammel“ (wo viel Leben ist ist auch viel Tod!) den Bach hinunter?

Kleiner Einschub: Vogeltränke (!! ?? !!)

Im Kleinen kann ich das an unserer Vogeltränke vorführen.

Auch da wächst in ruhigen Ecken flächig ein Kieselalgenfilm heran, produziert mächtig Sauerstoff.

Der kann aus dem von den Einzellern gebildeten schleimigen Biomasseteppich nicht ungehindert entweichen, sammelt sich …

… – Und so kommt es, dass irgendwann der Teppich in Fetzen geht, auftreibt. „Alles geht den Bach hinunter“, sagt man.

Diese Organomasse kann auch zur Verstopfung, zum Ersticken des zwischenkiesigen Lückenraums führen.

Wir sehen es – mit Entgeisterung!

Kleine Ergänzung, der Vollständigkeit halber: Nicht nur durch die bei nächtlicher Sauerstoffzehrung der allzu großen Biomasse kann es zu Organismensterben kommen. Die Entnahme von Kohlendioxid durch die Übermasse Algen führt tagsüber zur Alkalisierung des Wassers. Dadurch verschieben sich Ammoniumgehalte im Wasser zu Ammoniak (Zellgift). So sind auch tagsüber Fischsterben möglich, wo man sich fragt, woher „dieser Sauerstoffmangel“ (???) kommen soll. Solch tote Tiere sind nicht erstickt, sondern vergiftet.

Wir sind aber nicht zum Jammern gekommen, sondern begeistern uns an den noch recht neuen Rauschen – hier mit 5 (1/2) Laichkuhlen von Flussneunaugen.

Nochmal, verdeutlicht.

Ich weise auch noch auf unseren Merkposten in der langen kanalartigen Folgestrecke hin („letzte Rausche“) – wir werden dazwischen und dahinter weitermachen.

Viel gelernt an kleinem Bach – wir gehen zu den Autos …

… und fahren zur Tide-Pinnau – Blick bachauf.

Dies geschieht auf besonderen Wunsch – von der Größenordnung her ähnelt die Gewässebreite hier der Nebel, MV, an der auch Restaurieren starten soll.

Ja, auch hier machen Lenkbuhnen, Treibselsammler Sinn – empfohlen: in schrittweisem Vorgehen, Herantasten an die Notwendigkeiten des jeweiligen Standorts.

Zu gutem Schluss – das Arbeitsessen – (Hüftsteak, sehr lecker!) – – herzlichen Dank dafür! …

… und für Mitgebrachtes, Regionales!

Das hat Spaß gemacht! – Wir sehen uns wieder, spätestens auf dem Naturschutzseminar des Landesanglerverbands Mecklenburg-Vorpommern am 07.11.2026 in Güstrow.      🙂

P.S.: An allen Stationen sahen wir belaichten Kies. – Nicht stets ist es vergönnt, auch laichende Neunaugen auf den Laichbetten zu sehen. Regelhafter fliegt bei Ankunft ein Reiher ab – behäbig?, auf jeden Fall unwirsch. Mit Glück sind auch größere Laicherzahlen anzutreffen – Fotolink aus dem Blogbeitrag vom 23. April 2023, dort auch mehr solche Fotos.

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