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Salzen verboten.

Inzwischen ist eher unwahrscheinlich, dass wir im Norddeutschen Tiefland wieder so einen Schneewinter bekommen wie in den vergangenen beiden Jahren.

Dauerschnee wie hier 2009/10 und wie er 2010/11 folgte, ist noch nicht in Sicht.

Bei all dem, zum Teil wirren Treiben im Kampf gegen den Schnee (haben auch Sie Verwirrte mit Laubbläser röhren hören und sehen können?!) ist aber immerhin herausgekommen, dass dieses Jahr vorsorgend eine Vielzahl von Hinweisen zum richtigen Umgang mit dieser Form Wasser und mit dem eigenen Geldbeutel vorgehalten wird.

Die Situation beschreibt die ZEIT treffend.

Ein sehr guter Überblick findet sich hier.

Und hier steht, wie richtiges Räumen geht.

Das Salz bleibt also – bis auf ganz extreme Situationen – zum Wohl des Portemonnaies am Besten in der Tüte.

Hier als Beispiel verlinkt: die Straßenreinigungsverordnung der Samtgemeinde Tostedt – viel Interessantes, inkl.: Salzen verboten (nur in klar definierten Ausnahmefällen erlaubt).

[Der Artikel kommt Ihnen bekannt vor? Er ist aus aktuellem Anlass umdatiert und ein wenig aktualisiert.  🙂 ]

Aktuell von heute ist aber der schicke Sonnenuntergang – der Abend verspricht, kalt zu werden.

15. Januar – der Morgen danach: Ja, es ist kalt geworden, Eis-Federstrukturen auf nasser Wiese.

Eis, himmelblau.

Reif-Gras im Gegenlicht.

O nass is` ´s.

Wasserrückhalt - Gelb wird gespiegelt.

Mais - sei da, was da wolle (Hauptsache, Subvention)! Wasser auf dem höchsten Punkt - weiss noch nicht, wohin es fließen will.

Auf diesen armen Flächen wurde bislang standortangepasst Grünland als Viehweide genutzt.

In windstillem Randstreifen des Wiesensees spiegeln sich Birken.

2012 - eine neue Chance, verlorene Randstreifen zurückzu"gewinnen". Mögen sich Wasser- und Naturschutzbehörden, Agrarverwaltung und Agrarberatung wesentlicher Ziele ihrer Aufgaben erinnern und widmen, wie z.B. Boden-, Fließgewässer- und Meeresschutz.

Kindern liest man gern „Frederick“ von Leo Lionni vor. Da gibt es eine Maus, die Richtung Winter keine Vorräte sammelt und von den anderen dafür heftig kritisiert wird.

Aber dieser Frederick spielt eine wichtige Rolle in der dunklen Jahreszeit. Denn er hat Farben gesammelt und erzählt den anderen Mäusen davon, wie bunt alles bald wieder sein wird.

Wir Erwachsenen haben es gut: wir brauchen nur in die Agrarlandschaft zu gucken – egal, ob Frühjahr, Sommer, Herbst oder Winter. Die Industrie macht`s möglich, Politiker jeder Couleur „vergessen“ ihr vielbeschworenes Pestizid-Minimierungs-Credo. Der hoch subventionierte Landmann ist unser Frederick – er braucht nicht zu erzählen, er „macht einfach“. Und das möglichst großflächig.

Agrar-Gelb so weit das Auge reicht - flächenhaft vergiftete Landschaft.

Wen wundert da noch, dass wandernde Organismen wie Amphibien immer weniger werden. Wen wundert, dass in den USA, die uns ja meist voraus sind, Glyphosat-resistente Monster-Unkräuter auftreten.

Über Gewässer- und Grundwasserverschmutzung durch Glyphosat und Teil-Abbauprodukte im Internet zu suchen, füllt den Feierabend mit Lesen. [Ergänzung 15.01.12: Dazu habe ich eher zufällig einen US-Wordpress-Blog gefunden – mal anklicken.]

Die neue dänische Regierung hat übrigens gerade festgestellt, dass in DK (wie anderswo) in den vergangenen 10 Jahren die politische Ansage, Pestizid-Einsatz zu verringern, durch erheblichen Mehreinsatz konterkariert wurde. Dort sollen jetzt Konsequenzen folgen. – Wir dürfen auf unsere merk- und entscheidungsfreudigen Politiker gespannt sein. Vielleich haben sie ja gute Vorsätze für`s neue Jahr (?).

Bisschen trübe, der 2. Advent - da muss man raus!

Gestern Morgen - zumindest beim Start - sah die Welt noch ganz anders aus, der Himmel zweigeteilt.

Heute nun Blasen schlagender Regen auf Waldpfützen. Das ist gut so.

LandArt - was haben die Zeichen zu bedeuten?!

Ahhh, Lindwurm NEL kommt in Sicht.

Und so erklärt sich auch das erste Foto.

Es sind schon besondere Ideen beim Bewegen der Rohre für die Nordeuropäische Erdgasleitung (NEL) gefragt.

Weiter geht`s durch die Natur.

Begeistert zeigt sich das Moos über die langersehnte Feuchtigkeit.

Auch die Baumpilze freuen sich - können sie doch so das Totholz viel besser nutzen.

Wo Pilz-Aktivitäten ansteigen taucht schon bald ein Pilzfreund auf.

Socke von de Dreyster Drift: "Ich rieche doch was!"

Aaaahh ja - Pilze!

Fast verschwindet der Pilzfreund bei seiner nicht enden wollenden Schlemmerei.

Stehende Wellen im Bach an wippendem Ast - der gestiegene Wasserstand hilft, nicht zuletzt den jetzt laichenden Forellen.

Abendlicher Blick aus der Haustür: Auf dem Vordach schmelzen Reste der fast 1 cm dick gewesenen Hagel-Gewitter-Eisschicht. Autofahrer hatten nichts zu lachen. (Fußgänger waren ohnehin fast keine mehr unterwegs.)

Jetzt kommen die bekannten herbstlichen Tiefs, nach einem ultratrockenen November.

Trotz Trockenheit lässt sich im bunten Agrarland Niedersachsen Wässriges finden.

Mais-Mäander auf Grün.

Agrar-Gelb, flächige Giftanwendung entgegen Grundsatz des Pflanzenschutzgesetzes. Wen kümmert das ?

Auch ohne Regenmengen: Wassergefüllte Fahrspur im übernutzten Gelände auf Gift-Gelb.

Agrar-Kunst: Ein Bisschen Feuchte reicht, den übernutzten, verdichteten Boden optisch sichtbar zu machen. - Und dafür zahlen wir Agrar-Subventionen.

Man kann Bodenmissbrauch immer toppen - Schlagkräftige Landwirschaft will schließlich jeden Tag und immer und überall ihre Einsatzfähigkeit beweisen. Was kümmern uns Wasser, Boden, Wetter ... ?!

Früher half ja die Fräse! Heute, nach Übernutzung organogenen, entwässerten Bodens ist dieser so weit gesackt, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist. - Macht Schluss, liebe Leute.

Zur Abwechslung sollen die weniger gewordenen und arg vom Nutzungsdruck bedrängten Flächen ein paar andere Spätherbsteindrücke mit Farbenvielfalt der Gelbbraun- und Grüntöne bieten.

Grüne Baumhosen leben angesichts zunehmender Feuchtigkeit auf.

Frischer Baumpilz mit Moos- und Flechtengrün.

Der Baumstumpf wird verarbeitet - schön, dass er nicht weggefräst wurde.

Seiten-Aspekt.

Vor einem Jahr um diese Zeit herrschte ein ganz anderer Eindruck.

Mais auf Weiss.

Sonne auf Geesthang an einer Bach-Aue. (Deutlich erkennbar der viel zu tief in die Landschaft eingeschnittene Bach - Gewässer-Restaurieren ist angesagt.)

Früh im Jahr vereister, gut funktionierender, hier aber zu leerer Denil-Fischpass.

Gelb-rot auf blau über weiss.

Noch hatten die Straßenbauverwaltungen Salz - zur Freude der Autofahrer und zum Schaden der Alleebäume. Später war das anders.

Tja, und dieses Jahr warten die Skigebiete auf den ersten Schnee – im Mittelgebirge ohnehin.

Wir alle hören bis zum Abwinken in Funk und Fernsehen Lieder wie „I`m dreamin` of a …“ – oha, noch 22 Tage durchhalten.

Heute NELlie getroffen.

Irgendwie hat man das Gefühl, dass trotz des vom Nebel verdeckten ruhigen Umfelds dauernd etwas geschieht …

In Tieflage, im Moor: Alles ruhig – ein paar Kraniche rufen …

Auf der Höhe: Oha, Drestedt hat sich eingeigelt! Ist das Vorsorge = Anpassung an den Klimawandel (aber: ein Deich auf der Spitze des Einzugsgebiets zwischen Voßbeek und Dickenbach, höchster Punkt der Moräne?!) – oder eine neue Abgrenzung der Samtgemeinde Hollenstedt gegen die Samtgemeinde Tostedt?

Heute habe ich den Wechsel zurück zum Kleinwagen vollzogen – und, siehe da, eine Menge hat sich getan. Ich traf NELlie.

Nahe der Kfz-Zulassungsstelle, parallel zur B 75, zieht NELlie unübersehbar ihre Bahn.

Quer durch die Landschaft, hier zwischen B 75 und B 3, ist sie nicht zu übersehen.

Herbstlicher Horizont auf Moräne des ländlichen Raums, wir nähern uns dem schon weiter oben im Bild gesehenen „Drestedter Deich“.

Tropfnass sind die Baumalleen – es ist nicht nur Tau, entgegen der Wettervorhersage hat es schon heute (ein paar Tropfen) geregnet – kaum zu glauben!

„Hinter`m Deich“ – des Rätsels Lösung: im Gegenlicht arbeiten stählerne Kolosse, gesteuert von versierten Fachmenschen an der Baustelle, wo bald die Rohrleitung unter der Straße „durchgeschossen“ wird.

Wollen wir hoffen, dass die Baumaßnahme zügig abgeschlossen wird, die ökologisch brisanten Stellen wie Gewässerquerungen gut gemeistert werden und die Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen den Riesenschaden der Trasse vom östlichen Mecklenburg-Vorpommern bis ins westliche Niedersachsen mindestens halbwegs kompensieren.

Mein Wagen …

… ist`n Kleinwagen.

Die viertbeste Art, sich fortzubewegen nach (schnell-)zu-Fuß-gehen, Radfahren, Zugfahren.

Nach 2 Silbergrauen, quasi geerbten, hier wieder eine "Erbschaft" - gut, wenn die junge Generation erkennt: "In der Großstadt braucht`s kein Auto." - Fahren wir also bunter auf dem Land - Dank nach HH. 🙂

Erwähnenswert finde ich dem entsprechend die Aktion „I burn calories, not fuels“.

Kleinwagen ist generell ok, muss ausser uns ja nur ein kleiner Hund rein.

"Voll ok!" meint Socke von de Dreyster Drift.

Goldener Oktober im November – auch mal ein schönes Erlebnis; also auf zur Wanderung an den Edersee, Fürstentum Waldeck.

Schöne Aussicht, Waldeck: "Schloss Waldeck kennt ein jeder, der da gewesen ist." 🙂

Das war nun höchste Zeit für einen Besuch in der binnenländischen Hansestadt, Anfahrt per Bahn.

Raus aus dem ICE im Bahnhof Kassel-Wilhelmshöhe und rein in die Regionalbahn Richtung Westen.

Kurzer Stopp auch in Külte-Wetterburg - über den querab liegenden Twistesee wird weiter unten noch zu berichten sein.

Der Bahnhof Volkmarsen zeigt Schiefer-Architektur, wie sie allerdings weiter westlich im "Upland" noch typischer ist.

Gut angekommen in der Kreisstadt Korbach - das Türmchen der Alten Landesschule (ehemals Gymnasium, dessen Neubau am Stadtrand liegt) grüßt über Fachwerkgiebel.

Eine Tour nach Waldeck mit folgender Wanderung entlang des – herbstlich stark abgesenkten – Edersees ist immer empfehlenswert.

Das ist aber auch ein Herbstbild - Blick von Waldeck auf nordwestlich gelegene Bergwälder.

Schöne Aussicht, Waldeck - Postkartengruß vom Schloss Waldeck.

Schöne Aussicht, Waldeck: Blick auf die aus dem Edersee auftauchenden Hopfenberge.

Guten Tag, ich heisse Erck, bin der Chef der Hollen.

Der Erck und seine Hollen haben sich verpflichtet, immer für die Sicherheit des Schloss Waldeck einzustehen.

Blick vom Schloss Waldeck auf den Edersee, der die großen Ederschleifen eingestaut hat.

Auch bei niedrigem Wasserstand kann man den See auf den Fahrgastschiffen erleben.

Mit dem Bau der Talsperre Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Bestand des Weser-Lachs [7-seitige pdf-Datei] völlig zusammengebrochen: die riesigen Laich- und Aufwuchsflächen der Eder gingen durch Einstau (Fluss wird zu See) und Unterbrechen der Wandermöglichkeit der Laichfische verloren. Sehr intensive Erbrütung von Lachs-Eiern, um dem Bestand wieder aufzuhelfen, hat seinerzeit keine Erfolge gebracht. Heutige Versuche, den Weser-Lachs durch Aktivitäten andernorts wieder zu gewinnen, dürfen gespannt abgewartet werden …

Nun aber auf zur Wanderung durch Buchenwald von der Sperrmauer aus entlang des Sees.

Vor den Hopfenbergen - umgekehrter Blick zum früheren Foto, Richtung Waldeck.

Die Hopfenberge - schräg gestellte Geologie.

Der Edersee war und ist ein beliebtes Angelrevier – versunkene alte Bauwerke, Baumreste und andere Geländerauigkeiten bieten besondere Anlaufpunkte.

Es scheint so, als ob nach den Anstrengungen der Abwasserreinigung und der damit einhergehenden Nährstoffverringerung (die Landwirtschaft muss ihren immensen Beitrag noch bringen!) die Fischfauna des Sees wieder vom Trübwasserfisch Zander zurück zu Hecht und Barsch geht – und was für Fische werden da gefangen!

Zahlreiche Angler versuchen vom Boot aus ihr Glück.

Dieser Land-Angler hatte Glück - auch wenn es die Vergrößerung nicht scharf zeigt: einer der berühmten riesigen Edersee-Barsche liegt auf seinem Kescher.

Zurück im Gegenlicht führt der Weg Richtung Sperrmauer.

Unser Bauhof hätte diesen Baum längst abgesägt - schräg, wie er steht, stünde seine Standsicherheit in Zweifel ... - Die Zotten am Stamm sind übrigens Wasserwurzeln. Sie zeigen den Wasserstand bei Vollstau.

Dass die Natur Bäume mit Wurzeln ausgestattet hat, die sie trefflich verankern, weiss bei unserem heutigen Bauhof fast niemand mehr ...

Herbstlicher Hang kurz vor Erreichen des Leihwagen-Parkplatzes - Tschüß, Edersee!

Auch der junge Twistesee zeigt Alterungserscheinungen. Schwimmer beschwerten sich über Wasserpflanzen …

Unüblich tief abgesenkt präsentiert sich der Twistesee.

Liebe Leute, seid froh, dass ihr Wasserpflanzen sowie offenbar gute Muschelbestände und daraus resultierendes Klarwasser und nicht die Erbsensuppe des Algengewässers habt!

Auch der Vorstau ist abgesenkt - Maßnahme zum Entwässern der nährstoffreichen Sedimente vor Baggerung?

Wie dressiert kommen Enten herangeschwommen.

Große Mengen Dreikantmuscheln (?) sind am Einlaufbauwerk trockengelegt und stinken vor sich hin. Die werden das Wasser nicht mehr sauber filtrieren.

Hoffentlich ist die als Verbesserungsmaßnahme gedachte extreme Absenkaktion des Wasserstandes nach Überlegungen von Gewässerökologen entstanden. Mir jedenfalls erschließt sich das Ganze nicht! Umweltverbände beklagen sich, dass ausgerechnet in der Vogelzugzeit der wichtige Trittstein Twistesee als Rast- und Nahrungsquelle nahezu ausfällt.

Umgestürzte Bäume bieten bei Vollstau vielfältige Uferlinie für Wassergetier.

Hoch gelegen, rechts in der ehemaligen Bach-Aue sind die früheren Mäander des Bachs Twiste erahnbar.

Genug gefahren und gewandert – ein schöner Tag geht zu Ende.

Korbach bei Nacht - das Jahr ist fortgeschritten, die Weihnachtsbeleuchtung hängt schon, braucht demnächst nur noch jemand den richtigen Schalter zu betätigen.

Siebenuhrdreissig.

Achtuhrdreissig - hinter den Nadelbäumen ist die Sonne aufgegangen.

Oha! - Achtuhrvierzig.

Ganz so beeindruckend wie 2009 ist es dieses Jahr entsprechend diverser Wetterkapriolen zwar nicht, zeitweise Nassstürme haben die Baumwipfel von Buche und Bergahorn schon ziemlich gerupft. Aber bunt ist es allemal wieder – haben wir doch noch den erwünschten „Goldenen Oktober“ bekommen.

Dazu ein paar Farbenfotos von gestern.

Birken-gelb im Birkenweg.

Buchen - bunt im Buchenweg

Buchenweg 11 - Spitzahorn-gelb

Morgens in der Seeve-Aue bei Harmstorf ging es auch bunt zu.

Immer empfehlenswert: die Bergahorn-Allee im Steinbeker Mühlenweg (Buchholz in der Nordheide), wenngleich dieses Jahr nicht die Gesamtheit, sondern vor allem dieser "Star-Baum" brilliert.

Na, und dann ist da "natürlich" noch das neue Landschafts-Gelb: Mais-Gelb.

Horizonte 2011 - die (Nicht)Befahrbarkeit anmooriger Flächen erhält uns manch interessantes Winkelspiel noch ein Weilchen ...

So ein richtiger Gewässerwart von heute weiss allerhand über Lebendige Bäche und Flüsse . Gleichwohl sind Aus- und Weiterbildung wichtige Punkte im täglichen Geschehen, z.B. was Notwendiges im Gewässerumfeld oder z.B. Handeln im Klimawandel betrifft.

Neben der Vermittlung über Bilder, Vortrag und Gespräch ist die handgreifliche Wahrnehmung vor Ort wesentliches Element einer erfolgreich an anderer Stelle nutzbaren Wissensvermittlung – ohne „draussen“ geht es nicht!

Ein überschaubarer Heidebach, Laich- und Aufwuchsstrecke in der Salmonidenregion, eignet sich hervorragend für Exkursionen - und schon sieht man wieder die von links extrem herandrängende, den Bach gefährdende Landwirtschaft..

Die Brandl-Bracke unter den Exkursionsteilnehmern wartet auf interessante Aufträge ...

Der Bach präsentiert sich mit vielfältiger Struktur: rauschende Kiesstrecken wechseln mit Strudellöchern, Uferüberhang und z.T. Erlenwurzeln bieten dreidimensionale Lebensstätten.

Die Untersuchung von Wirbellosen im Bach gestaltete sich allerdings schwierig - es tauchten zunächst keine (!) Organismen beim Absieben von Uferbehang und Gewässersohle auf, obwohl alles optisch sehr vielfältig erschien. Endlich wurden einzelne Larven der Großen Maifliege Ephemera gefunden, 3 Größengruppen, hier die älteste.

Langsam, aber sicher tauchten mehr Arten auf: Am Haus einer Köcherfliegenlarve sitzt eine Steinflliegenlarve.

Prachlibellenlarve im Fang - ein Zeichen für gute Gewässerstruktur mit Vielfalt aus Stein und Holz.

Wie ich inzwischen gelernt habe, ist dies ein Otterscharrhaufen auf einer Sandbank - Aktivität des Fischotters, wenn Hochwasser frühere Markierungen gelöscht hat (Dank nach Hankensbüttel für die Aufklärung!).

Na, und da ist er neben der Stiefelspur: ein eindeutiger Pfotenabdruck des Fischotters.

In sandigem Gewässergrund fanden wir auch eine Neunaugenlarve.

Und die Brandl-Bracke war begeistert! Spuren über Spuren - vor allem Wildschweinwechsel, erkennbar an erheblicher Erosion des nicht wurzelgeschützten Bachufers neben landwirtschaftlicher Intensivnutzung, hatten es ihr angetan. - "Darf ich da jetzt in den Mais rein???" - "Nein!"

Uferwechsel war angesagt - bin schon drüben.

Eine abgängige Straßenunterquerung mit erheblichem Absturz - hier soll demnächst im Zuge des Neubaus die Durchwanderbarkeit für die Gewässerorganismen wieder hergestellt werden.

Eine Kiesbank oberhalb einer Erlenwurzel zeigte, dass der Gewässergrund hier von Bachforellen als Laichplatz genutzt worden war.

So wollten wir dann per Elektrofischerei auch wissen, welche Fische hier wohl leben.

Gut, wenn man sie in der Forellenregion findet - die Forelle. Ob nun die Standform Bachforelle oder ein Fisch "mit aktiviertem Wander-Gen", die Meerforelle - das wird uns dieser Fisch erst nächstes Frühjahr verraten.

Wie sich das für einen anständigen Laich- und Aufwuchsbach der Forelle gehört, kommt als Begleitfisch die Mühlkoppe vor - schön zu sehen, wurde dieser Fisch doch aus falsch verstandenem Konkurrenzdenken jahrzehntelang bis zur Ausrottung verfolgt.

Zusammengefasst stellen wir fest, dass es sich um einen der wertvollsten, früher in unserer Landschaft typischen, vielfältig strukturierten Quellbäche handelt. Eine Vielzahl von Wirbellosenarten haben wir (mühsam !) zusammengesammelt. Aber die aufgrund der guten Gewässerstruktur zu erwartenden Individuenmassen (bis zu mehreren 10.000 / m² sind üblich!) waren nicht da – ein Zeichen für offenbar vorhandene extreme Gefährdung dieses Bachs.

Damit steht er nicht allein. Wie Ortskundige berichteten, war kürzlich beim Ablassen eines Teiches eine wahre Schlammlawine mit der künstlich erzeugten Hochwasserwelle durchgegangen. Extreme Sauerstoffzehrung hat offenbar mehr als 90 % der Organismen vernichtet.

Und das Umfeld zeigt, wie nicht akzeptabel unsere empfindlichen Bäche heute bedroht werden – vergessen wir nicht: von einem Berufsstand mit besten Lobby-Beziehungen, der zu großen Teilen von unser aller Steuersubventionen lebt. – Es ist an der Zeit, für dieses Geld angepasstes Verhalten mit Schutz von Boden, Wasser und Luft zu verlangen.

Bedrohung für Gewässer: Ackerbau bis an die oberste Uferkante. Gewässerrandstreifen müssen endlich überall an Bächen eingefordert werden einschließlich ihres standorttypischen Gehölzsaums.

Die Nicht-Akzeptanz der Landwirtschaft gegenüber beidseitigen, standorttypischen Erlensäumen führt zu extremer Ufer-Erosion - hier sogar in der Innenkurve!

Hilfsweise können Treibselsammler z.B. aus Stöcken den charakteristischen Bachquerschnitt wieder herstellen. Der Haselstecken zeigt, wie weit ein solcher Sammler auf Mittelwasserniveau in der Gewässersohle von rechts kommend gesteckt werden kann.

Hilfen für derart geschundene Bäche sind meist recht einfach. Hier in der rechten Spalte des Blogs unter „Hölzchen und Stöckchen“ verbergen sich eine Vielzahl Beispiele, wie es in der Praxis funktioniert. Eine kurze Zusammenstellung als pdf-Datei findet sich unter www.salmonidenfreund.de und eine Zusammenfassung verschiedener Restaurierungstechniken einschließlich Grundlagen und vorheriger Bachzerstörung ist hier als Download verfügbar.