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Archive for the ‘Wetter – oder was’ Category

Ziel unserer Fahrt war Impfzentrum Pinneberg 1, Prisdorf, Peiner Hag.

Heute wurde Prio 3 unseres Haushalts erstgeimpft. Ich, Prio 2, kenne das Etablissemant bereits, komme nächsten Sonnabend mit der zweiten Impfung dran.

Die – kurze – Wartezeit wollte ich zu einer Stippvisite der (oder „des“, wie man will – wir befinden uns in einer Sprachgrenzregion) Bilsbek nutzen.

Prisdorf – Denkstein, Bäume, Büsche. Das feuerrote Spielmobil – blitzblank vom Regen neulich, kennt das Fahrzeug sonst nicht –  ist geparkt.

Bilsbekbrücke – Bäume, Büsche, Blau-Weiss und Grün bestimmen die Ansicht.

Tideniedrigwasser – darum bin ich hier.

Die Bilsbek, geschunden – sowas sieht man nicht mehr alle Tage, wenngleich noch allzu oft.

Gewässerausbau und fortwährende, harte Gewässerunterhaltung bestimmen  das Schicksal dieses Bachs.

Bachab wie zuvor bachauf im Blick gehabt – au weia!

Da verwundert der Blick auf Gewässersohle und Ufer nicht: Wasserbausteine, Einleitung mit Chemieschaum (Flur oder / und Auto sauber?!). Bewegter Sand verhindert flächenhaft Bachleben.

Zurück zum Impfzentrum.

Wie ich bereits Ende April, stand die Probandin zunächst geordnet – kurz – in der Wartereihe.

Als ich dran war, sinnierte ich noch, ob etwa der benachbarte Bäcker (mit seiner viel längeren Warteschlange) zu Impfende fehl-anziehen könnte.

Aber das Ziel ist eindeutig, nix wie rein!

Alles ist prima geregelt. Alle Unterlagen sind vorhanden. Impfen klappt, kurzer Schnack, 10 Minuten abwarten.

Alles klar, auf geht`s – raus.

Nicht ohne Grund spricht die Überschrift von 2 Bächen …

Das Tideniedrigwasser wollte ich mir nicht entgehen lassen, einen Blick über die Brücke Hindenburgdamm in die Pinnau zu werfen.

DAS sieht doch anders aus als das Elend zuvor! Kies-induzierte Turbulenz.

Und nochmal seitlich, Strömung kommt von rechts. In der ersten hohen Turbulenzfläche laichen seit 2 Jahren regelmäßig die Flussneunaugen, hier, im Tidebereich.

Sowas wusste vorher keiner zu berichten. Wir sind weiter begeistert über solch Neues lernen.

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Gestern bei einem Besuch an der ländlichen und der städtischen Mühlenau, Pinnau-Einzugsgebiet, Schleswig-Holstein, erlebten interessierte Besucher, wie Lebensraumvielfalt verbessert, teils erst wieder geschaffen werden kann.

Das Ganze fand statt in einer – im wahrsten Wortsinn – spannenden Atmosphäre, Sonnenschein vor Gewitterfront.

Blütenmeer ungedüngter Gewässerrandstreifen. Auf der Silomahdwiese nebendran fand gerade der erste Schnitt statt.

Durch Einengen, Profilieren des Niedrig- und Mittelwasserprofils haben wir, der Bach in Hochwässern und Großlaicher in bereits mehreren Laichperioden ein neues, lebendiges Bachbett geschaffen: Aus breit, unstrukturiert und still wurde ein munteres Bächlein.

Die Gewitterfront „ritten“ wir beim Wechsel zwischen ländlichem und städtischem Raum ab – Regen trommelte und lief wie Wasserfallmassen auf uns Autodach-geschützte herunter.

Mühlenau, Pinneberg, zwischen Bad und Rosengarten – vorn frisch bekiester, hinten älterer, (noch) nicht nachbekiester Belebungspunkt. Was hält sich drüben im Wasserwechselbereich auf?

Ah, ein Rotkehlchen – hat, wie so viele andere Vögel die Lenkbuhnen als Tränke und Badestelle entdeckt.

Und schon geht begeistertes Plantschen los. Als Beobachter ist zeitweise nicht zu erkennen, wo vorn und hinten, oben und unten ist – Hauptsache, der Vogel weiss das.

Vorn ist ordentlich Vogel-erzeugter Wellenschlag, Turbulenz zu erkennen. Im weiteren Verlauf ist das allerdings der Lenkbuhnenwirkung, wie beabsichtigt, zuzuschreiben.

Die Uferentlastung durch Kiesdepots, Lenkbuhnen, andernorts Treibselsammlern, führt zu einer neuen Übergangszone Wasser-Land. Schnell entdecken Pflanzen den Standort, erhöhen Arten- und Individuenzahl, bilden selbst neuen Lebensraum.

Die „richtige“, hierzulande fast in Vergessenheit geratene Bach-Biodiversität ergibt sich erst beim Vorhandensein der zugehörigen Uferbäume – Baum, Baumsaum, Auwald. [Die beiden folgenden Fotos sind langjährigen Leserinnen und Lesern dieses Blog bekannt. Ihr Eindruck spiegelt gleichwohl fortgesetzt das, was an unseren Bächen und Flüssen neben der inneren Struktur wohl am meisten fehlt.]

Pionierphase Erlensukzession, ca. 5 Jahre alt.

Lichter Erlensaum nach ca. 40 Jahren Entwicklung, vorn Aufrechter Merk (Berle, Berula erecta), im Foto nicht sichtbar Wasserstern, als standorttypische Begleiter.

Wer Biodiversität der Gewässer als Aufkleber, vielleicht zum Herumfahren, nutzen möchte, erhält dieses Exemplar beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz: „Artenvielfalt ist Lebensqualität„.

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Da höre ich in der Wedeler Marsch hinter mir „Was steht der Mann da am Wegrand?!“. Irgendwie beschäftige ich das Paar Stick-Walker …

Ich stehe da einfach so – und gucke konzentriert hoch.

Ja, das sind doch …

Zwei Seeadler, hier Sonnen-beschienen von der Oberseite sichtbar. Da segelt auch irgendein Kleiner oben drüber.

Das – Ansicht der Rücken, hoch oben –  erinnere ich nicht, so deutlich bislang gesehen zu haben. Dabei sind das, nicht nur hier, nicht meine ersten Seeadler.

Der Vollständigkeit halber nochmal die Silhouetten, hier die meist sichtbaren, von der Unterseite her.

Im Umfeld wird gerätselt, wieso eine langjährig etablierte Kormorankolonie vor einigen Wochen schlagartig verlassen wurde. Das könnten diese beeindruckenden Greife verursacht haben (oder der Uhu, oder der Waschbär, alles nichts Verwunderliches). So ist sie nunmal, die Natur.

Und das ist gut so.

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Gestern, Sonnabend.

Eine Stunde zwischen den Fronten sicher – das reicht für die Elbe. Welch Hochhaussiedlung bewegt sich da jenseits des Deichs?

Deichblick – spiegelndes Watt vor Gewitterwolken über Niedersachsen, zwei Großschiffe im Schifffahrtkanal Elbe.

Keine Hochhaussiedlung, der Containerfrachter MSC Rosa, 366 x 51 m, immerhin 13,7 m Tiefgang, zieht seewärts.

Was für ein Watt! – Rot der Öl-Chemie-Tanker STI Camden, 184 x 27 m, 10,7 m Tiefgang, Richtung Hafen Hamburg.

Von dort kommt der Containerfrachter Hapag-Lloyd Nagoya Express, 335 x 43 m, 11,8 m Tiefgang.

Von Weitem, den Deich anradelnd, wirken die Schiffe größer. Na, immerhin …

Letzte Segler auf der Elbe, wir müssen die Zeit beachten (nicht, dass es schon Abend wäre …).

Umgedreht, binnendeichs Deichschafe auf Marschwiese, Nonnengänse auf dem Wasser der Kleientnahme, NABU-Vogelstation.

Das Gewitter bretterte schneller heran als erwartet. (Trocken) Zu Hause sehe ich auf marinetraffic.com, wie die letzten Segler in die Häfen verschwinden. Und, wie beim Rückradeln vermutet, dass wir zwischen zwei herannahenden Gewittern den Vorzug eines Fluchtwegs hatten. Bei uns regnet es dann schön. Aus Hamburg wird von etlichen Feuerwehreinsätzen berichtet – Garagen, Keller auspumpen und so.

Später – Blauer Abendsegler vor weiss blühendem Apfelbaum.

An der Nordseite bescheint die Abendsonne unser NordGrün.

Sonntag – „the same procedure …“

Radeln zwischen eindrucksvollen Eichen, austreibend, vergehend.

Totgesägte Birke(n) – niemand nutzt den Birkensaft?! Wohl doch, die Farbenverantwortlichen, der Saft „roh“ ist farblos. Links daneben treibt hoffnungsfroh eine Traubenkirsche Prunus padus. Möge ihr ein langes Leben beschieden sein.

Auf dem Rückweg – Wetteraussicht SüdWest.

Schwarze Wand nordöstlich der B 431 – wohl denen, die sich auf der richtigen Seite aufhalten.

Ich biege ab, muss die Front nicht fürchten, komme gut an.

Und das Beste am Ganzen: Die feuchte Witterung „dazwischen“ lässt alles wachsen, grünen und blühen – das stellte sich in den Vorjahren anders dar.

Ganz nebenbei, die Bäche und kleinen Flüsse führen sowas wie Mittelwasser (hurra!). In den Vorjahren waren sie bereits im April in einen Sommer gestartet, der das Niedrigwasser-Niveau nicht vor Spätherbst verliess.

Zwar hoffen wir auf etliche Grad mehr (sollen bis Ende Mai ausbleiben), aber ansonsten wollen wir nicht meckern.

Na, vielleicht doch: Der Bundes-Spahn sollte endlich mal jemanden engagieren, der ein Fluss-Diagramm malt mit Impfmittel-Lieferungen über die Zeit, Zugang / Abgang, nicht vorhergesehene Weniger-, vielleicht auch Mehrlieferungen – und ihrer Auswirkung auf unsere Gesamtbevölkerung. Stattdessen – ständig wirres Behaupten, morgen wieder anders. – Ich habe noch Glück, Zweitimpfung in 13 Tagen.

Wie wohl der Superwahltag im September für Bund und Länder ausgeht? Morgen wird der Wahl-O-Mat für Sachsen-Anhalt freigeschaltet, Wahl am 6. Juni. Wer will, kann schonmal seine Einschätzung, vielleicht Übereinstimmungen zu Parteiäusserungen prüfen (Wer`s nicht gemerkt hat, ich bin noch im Thema, hat auch mit Fronten zu tun.).       🙂

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Nein, unser Garten-Bärlauch blüht noch nicht im kühlen Mai 2021, steht er doch an der Nordseite des Hauses. Das Foto stammt aus dem Vorjahr.

Ob der Bärlauch im Hainich, oder in – Überraschung – St. Peter-Ording blüht, weiss ich nicht.

Aber frohe Kunde erreicht uns vom – ansonsten sehr geschundenen – absolut schutz- und entwicklungswürdigen Leipziger Auwald.

Wie schön!

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Wir haben eine neue Stelle aufgesucht, etliches bachab des Zusammenflusses der Quellbäche von Moorbek und Mühlenau.

Das Sandbett der Mühlenau in unstrukturiertem Kanal enthält kein sichtbares Lebenszeichen – immerhin aber Grobsand und Feinkies.

Nebendran fliesst ein Bach zu. Vielleicht hat der mehr zu bieten.

Optisch prägen durch Lichtüberschuss geförderte Blaualgenwatten den Bachgrund.

Hmmmh, gar nix, nur der Schmier ?

Nach etwas Mühen finde ich doch noch eine nackte Köcherfliegenlarve, Hydropsyche.

Ist hier irgendwas passiert? Was zeigt die Mühlenau bachab?

Das erste Kiesdepot bachab ist untypisch, aussergewöhnlich schwach besiedelt, hier: Bachflohkrebs, Wasserassel und Steinfliegen-fast-alles-Abkönner Nemoura.

An Gräsern im Wasser finden sich Köcherfliegenlarven – und wieder eine Wasserassel.

Die Larven suchen Halt, kommen dazu aus ihren HalmHäuschen weit heraus.

Auf rauschenden Rauschen finde ich mindestens eine Flussneunaugenlaichkuhle, vgl. dazu gesonderte Berichte von anderer Stelle.

Wo es den Tieren gefällt, legen sie gern mehrere Laichkuhlen, hier mindestens 2, an.

Und noch ´ne Rausche mit mindestens 2 Laichkuhlen.

Aber auch hier, neben Bachflohkrebsen allerhand Wasserasseln im Kies, die aufgrund ihres größeren Vorkommens erhöhte Organik anzeigen.

Von Unfällen wissen wir nichts, zum Glück sind auch keine Fischsterben berichtet. Aber komisch ist das schon!

Noch begleitet die Mühlenau auch hier kein Halbschatten spendender Baumsaum. So ist bei Lichtüberschuss nicht verwunderlich, dass auch hier Schmieralgenwatten etliche Strecken besiedeln.

Von gewässerökologischen Studien ist bekannt, dass diese Wirkung von Lichtüberschuss erheblich schädliche Tonnagen von Algenbiomasse aufbaut. Wo viel Leben ist, ist auch viel Tod – und wo, wie hier zu viel (verkehrtes!) Leben ist …

Wie an der Moorbek begleiten uns Schlammfliegen, Zeit für die Eiablage – an Pflanzen im Uferrand.

Um Einzelbäume herum schwärmen zahlreich schwarze Fliegen mit langen, behaarten Beinen – kann man so suchen und finden im Netz: die Märzfliege (im Mai), Bibio marci.

Die Osterhasen haben Urlaub.

Wir beobachten interessiert das Entstehen und Vergehen schicker Vortex-Formationen.

SO wird, angestoßen durch Turbulenzentwicklung durch die Kiese, tief Sauerstoff in die Wassersäule eingetragen.

Zum Abgang schwimmt ein Stockentenerpel krakeelend hinter uns her, will wohl sagen „Gut, dass ihr endlich weggeht“.

Letzte Station, städtische Mühlenau in Pinneberg, ein neues Kiesbett. Hier sind, kurz nach Herstellen, etliche Eintagsfliegenlarven zu finden. Dunkel, kurz vorm Schlupf, mittelgroß und – schon da – ganz junge.

Angesichts der Irritation im Mittelteil der Mühlenau werden wir die Längsuntersuchung später im Lauf des Jahres wiederholen – muss sein!

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Die Moorbek ist ein wichtiger Quellbach für die Mühlenau im Pinnau-Einzugsgebiet. Die Mühlenau selbst fällt in ihrer oberen Strecke oft sommertrocken aufgrund von Störungen ihres Einzugsgebiets durch Entwässern des Holmmoors, Verbreitern der Autobahn und durch den BAB-Rastplatz Holmmoor.

Im Stadtgebiet Norderstedt hat der NABU in Bachaktionstagen Verbesserungen an der Moorbek vorgenommen. 2020 hat der Wasserverband Mühlenau, gefördert durch den Kreis Segeberg, eine weitere Strecke im ländlichen Raum restauriert. Auch im Bachverlauf der Mühlenau nach Zusammenfluss mit der Moorbek wurden 2020 etliche Strecken verbessert, vgl. Berichte hier im Blog.

Es war an der Zeit, einmal nachzusehen, welche Auswirkungen die Umgestaltung der ehemals kanalartigen, überbreiten Strecken mit Erosionssand auf der Sohle, insbesondere im Hinblick auf biologische Besiedlung gebracht hat.

Zwar ist es schon etwas spät im Jahr, viele Insekten haben ihren Larvenlebensraum Wasser inzwischen geflügelt zum Hochzeitsflug verlassen. Aber gleichartige Beprobung sollte mindestens einen Vergleich unterschiedlicher Strecken zulassen.

Die neue Optik dieser Moorbekstrecke hält viele Besucher des Umfelds auf. Staunend betrachten sie den veränderten, belebten Bachlauf.

Informationstafeln stärken das Verständnis.

Emsige Ameisen vor Löwenzahn – gleich am Brückendurchfluss findet ein erstes, orientierendes Beproben statt.

Ein Bachflohkrebspärchen und ein Egel.

Ähnlich einer Spannerraupe saust der Egel im Rund der Schale. Die Flohkrebse schwimmen diversere Bahnen.

Zwei Köcherfliegenlarven und eine ertrunkene Rollassel kommen aus einem ruhigeren Bereich.

Und aus einer Ansammlung von Blättern und Ästchen werden ein junger Bachflohkrebs sowie eine Libellenlarve der Gattung Calopteryx freigespült.

Das Einbringen des Kieses bringt einen Anstoß zu differenzierten Strömungsbedingungen in Längs- und Querrichtung. Daraus erfolgt Strukturieren der vorher eintönigen Sohle hin zu unterschiedlichen Lebensbedingungen. Dementsprechend reagiert die Lebewelt mit ihrem nun in Arten- und Individuenzahl zunehmenden Vorkommen. – Ein vorbeikommender Spaziergänger ist begeistert, wir auch.

Die Moorbek schlängelt sich jetzt in ihrem früher gleichförmigen Bett mit Niedrig- und Mittelwasserprofil.

Auch „Altlasten“ sind weiter vorhanden, hier „fett“ Algenschmier auf Wasserpest, vorwiegend gesteuert durch Lichtüberschuss, wo standorttypischer Baumsaum am Ufer fehlt.

Das Umstrukturieren stärkt aber die charakteristischen Wasserpflanzen, hier den Wasserstern.

Beim Aussieben des hier in Teilen des Profils stabil liegenden Sandes bringt in Grobsand und Feinkies Larven der Großen Maifliege Ephemera (oben links eine einjährige, mit Glück wird sie Mai / Juni 2022 zum erwachsenen Insekt) und jede Menge Kleinmuscheln der Gattungen Sphaerium und Pisidium zutage.

Auch hier der Bachflohkrebs und die Bauchansicht einer Libellenlarve Calopteryx.

Im seitlich liegenden Laub finden sich Zweiflüglerlarven.

Unbehandelte Teilstrecken zwischen den Kiesen zeigen sehr gut die sich jetzt windende, längs- und querdifferenzierte Ausformung des Bachs.

Standorttypische Schwarzerlen – über das Jahr wird die Entwicklung von Uferbäumen verfolgt.

Je nach Eigenentwicklung angesichts vielfältiger Mutterbäume im Umfeld kann sich ein charakteristischer, den Bach von Überheizen entlastender Halbschatten ausbilden. Falls Artenbreite und zeitliches Vorankommen nicht hinreichend erscheinen, wird über punktuelle Anpflanzungen nachzudenken sein.

Neben den gut verbreiteten Bachflohkrebsen, als Blatt-Schredderer wesentlicher Start der Bach-Nahrungskette, sind einzelne Eintagsfliegen vor Ort. Ihre dunkle Farbe zeigt, dass sie kurz vor Wechsel ins Erwachsenenstadium stehen, das Wasser bald verlassen.

Die kleinen „Würmchen“ in der Schale sind mitgefangene, beim Siebausspülen nicht verloren gegangene Larven von Zuckmücken, Chironomiden. Diese sind eine weltweit in fliessenden und stillen Gewässern je nach Lebensraum arten- und individuenreich angepasste Insektengruppe – beim Arbeiten mit dem Haushaltssieb meist „übersehen“ (sie gehören nicht zum Spektrum der mit dieser Methode gesuchten Gruppen).

Weisse Schale, Totale – die ganze Zeit, verdrängt von Konzentration auf Leben im Wasser, kribbelt und krabbelt es irgendwo, es kitzelt auf der Haut: vorn eine Schlammfliege.

Sie und ihre Artgenossen werden, so sie nicht vorher von Vögeln, Fischen, Fledermäusen gefressen werden, ihre Eipakete auf Blättern von Uferrandpflanzen als Pakete ablegen. Von dort plumpsen die schlüpfenden Larven ins Gewässer und werden sich, s. Artname, in weichen Ufer- und Sohlepartien entwickeln.

Eine nicht bearbeitete Teilstrecke – Wasserpest, sie macht ihrem Namen in übersonnten, untypisch still fliessenden Bach-Ruinen alle Ehre, setzt auf Übernahme der gesamten Bachbreite. Der Ruf nach Ausmähen wird folgen.

Ein Hund geniesst die Möglichkeit, den sommerkühlen Bach auf einer Rausche zu nutzen.

Wie der Wanderer am Start ist auch der Hundeführer beeindruckt von der ihm bislang unbekannten, wiederherstellbaren Lebensvielfalt im Bach. Was wir ihm auch hier zeigen können, entspricht dem bisher Dargestellten.

Übertiefer, überbreiter Canyon – auf Restaurieren wartende Strecke.

Durch Frühlingsbuchenwald, klimagerecht feucht gehalten, gehen wir zurück.

Die Besiedlung der ländlichen Mühlenau nach Zusammentreffen mit der Moorbek wird in Teil 2 beschrieben.

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Die Ekholter Au ist 2020 wie die Krückau, der sie zufliesst sowie die Mühlenau und die Moorbek im Pinnau-Einzugsgebiet in einer größeren Aktion bekiest worden. Dies betraf eine Strecke von ca. 600 m, vgl. Bericht hier im Blog vom 20. Oktober 2020.

Dieses Gewässer zeichnet sich, verursacht durch Entwässerungen und intensive Nutzung von empfindlichen Böden im oberen Einzugsgebiet, durch extreme Eisenbelastung aus. Aufgrund von Strukturarmut, der Bachlauf ist auf ganzer Länge kanalartig ausgebaut und unterhalten, wird das gelöste Eisen nur zögerlich oxidiert, sich bildender Eisenocker kann sich kaum in seitlichen, beruhigten Strecken ablagern, so dass ein Großteil dieser besiedlungsfeindlichen Situation bis in die Krückau ausstrahlt. Beschrieben ist die Eisen-Thematik unter anderem im Blog am 1. Juli 2020.

Wir, eine Unterelbeschulen-Aktive, die diesen Bach für Verbesserungen vorgeschlagen hatte, und ich, wollten uns ein Bild machen, in wieweit die bekieste Strecke für Lebensgemeinschaften im Gewässer neue Grundlagen schafft.

Plan liegt die benachbarte Mähwiese da. Man wundert sich, dass – um ca. 1,5 m unter Geländehöhe gelegt und kanalartig ausgebaut, daneben ein Bach fliessen soll.

Mai 2021, das Wiesenschaumkraut – hier vor Löwenzahn – blüht.

Wie gesagt, tief fliesst er da, der Bach – hier unter Kirschblüte.

Über das Orange des Eisenockers, das den Kies bis etwa Mittelwasser prägt (kein Regen floss bislang höher ab), brauche ich angesichts der Fotos im obigen Link (1. Juli 2020) hier nicht zu berichten. – Um korrekt zu sein, siehe die Spiegelung auf der Wasseroberfläche, ist „Fliessen“ angesichts herrschender Überbreite im Mittel- / Niedrigwasserprofil auf den ersten Blick kaum festzustellen.

Wo Kies bereits zu Sohlstruktur gelegt wurde, wird turbulentes Fliessen angeregt. – Die glatte linksufrige Bekiesung wurde von Anliegern zu eigenem Uferschutz aus den Depots entnommen und umgelegt.

Vom unteren Ende aus – Blick bachauf im Abendlicht – geht unsere Untersuchung los.

In stark belichteten Strecken wachsen Uferpflanzen, Gräser ein. Hier flutet der Schwaden, Flutender Schwaden.

Igitt, in stark besonnten Bereichen ist auf der Sohle und an im Wasser flutenden Randpflanzen nur Algenschmier zu finden.

Das soll doch wohl nicht alles sein ? ! ?

Neuer Versuch. Oha, da ist der Wurm drin! Die Starkregenfälle haben offenbar Regenwürmer stark in Bewegung gebracht. Wer Pech hatte, fiel in den Bach oder wurde eingeschwemmt.

Bei genauerem Hinsehen ist im Foto auch eine kleine Wasserassel erkennbar.

Wir hatten aber auch bachtypische Pflanzen wie Wasserstern gesehen und beim Bekiesen strömungsfördernd begünstigt.

Also, ran an den Kies!

An anderer Stelle ist mehr Lebendiges zu finden. Große und kleine Wasserasseln, nicht gerade toll für einen Bach, aber immerhin.

Ich hatte aus Transportgründen vor Ort meine große, weisse Schale nicht mitgenommen. Das rächt sich insofern, als der Wasserfilm über den Organismen nähere Ansprache erschwert. Hier ist wohl eine Käferlarve mit auf dem Sieb.

Und dann, andernorts, neben einer mittleren Wasserassel ein großer Bachflohkrebs!

Was anderswo normal und dominierend ist, freut uns nun angesichts des Bisherigen, auch in Einzahl!

Wäre doch gelacht, wenn solch belebte Stelle nicht doch etwas böte … ?

Kleine Wasserassel – und … zwei große Bachflohkrebspärchen.

Sollte sich hier gute Vermehrung anbahnen?

Ja, weiteres Beproben bringt doch einige Bachflohkrebspärchen mehr auf das Sieb.

Die Strukturveränderung bewirkt, dass Geschwemmsel von Blättern und Ästchen zeitweise gehalten, zwischengelagert wird.

Wo Uferbäume, hier mit Altbaumstubben, erosionsgefährdet standen, haben wir mit Kies für Entlastung, das heisst längerfristigen Erhalt gesorgt.

Es scheint, die turbulenter gestaltete Strecke hilft bei der Wiederbesiedlung.

Letzte Beprobung, siehe da: neben einer großen Wasserassel und großen Bachflohkrebspärchen findet sich hier auch ein kleiner Bachflohkrebs.

Dann sind wir mal auf künftige Beprobungen gespannt! – So richtig super, vgl. andere Ergebnisse nach Bekiesen hier im Blog – zu finden per Suche z.B. mit Stichworten wie Wirbellose, Tierchen, Viecher -, ist der Zustand der Ekholter Au wahrlich nicht. Ohne Anfassen der Ursachen, unter anderem des zerstörten Boden-Wasserhaushalts im oberen Einzugsgebiet, werden auch hilfreiche Maßnahmen nur Makulatur bleiben. Bekannt ist aus der Literatur, dass die charakteristischen Insektenlarven von Eintags-, Köcher- und Steinfliegen in „Eisen-Bächen“ kaum vorkommen bzw. fehlen.

Wir sind am oberen Ende angekommen. Überbreit, kanalartig, spiegelnd – das ist kein Bach, selbst wenn es mal einer war.

Nur das „Brechen des Spiegels“, das Einengen und Schaffen strukturreicher Mittel- und Niedrigwasserverhältnisse wird Abhilfe bringen.

Da blitzt etwas weiss vom Gewässergrund – doch noch einmal das Sieb einsetzen.

Von oben angesehen – eine Wollhandkrabbe. Offenbar wandern die überallhin, wo immer sie etwas, Tierisches oder Pflanzliches, zu fressen finden.

Das Tier verhält sich unbeweglich – tot oder vor Häutung (so tot scheinende Wollhandkrabben hatten wir an der Mühlenau, Pinneberg, als in Häutung begriffen kennengelernt) – das ist nicht zu klären.

Als Besonderheit an diesem Tier fällt auf, dass neben der normal großen Schere eine kleine vorhanden ist. Wir dürfen vermuten, dass evt. ein benachbarter Teichbesitzer unter Abreissen der einen Beinseite (Scherenarm nachgewachsen) seinen Teich von diesem Tier, vielleicht auch Artgenossen „entlastet“ hat.

Sachen gibt`s.

Die Ekholter Au jedenfalls bleibt ein Patient, tragisch, aber mit Aussichten. Darüber wird weiter zu berichten sein.

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Der Ur-Beitrag vom 2. Mai beschäftigt sich mit gesägten Bäumen, dem Wert von Bäumen sowie der (verbesserungsfähigen) Wahrnehmung von Bäumen, insbesondere im bebauten Raum.

Selbst in turbulent fortschreitenden Zeiten des Klimawandels nehmen wir den Baum, die Allee, den Wald, nicht hinreichend wahr. Dabei gehört er zum über Jahrmillionen entwickelten, bewährten Kühlsystem der Natur, Hitzeinseln verhindernd – bei Einsicht: bestehende Hitzeinseln mindernd, bei Planungen vorsorglich vermeidend.

Es gab viele Weiterleitungen und etliche Diskussionen, nicht zuletzt über die Beispiel-Kalkulation im Beitrag über „einen Baum“ und sein Äquivalent, im Beitrag vom 2.Mai vereinfacht an einer Kugel-Betrachtung / -Berechnung dargestellt.

Immer klarer wird, dass wir in Sachen Rechnen, Mathematik einen Kulturwandel hinter uns haben. Im Netz danach gesucht – und gefunden!

Man soll Äpfel ja nicht mit Pferdeäpfeln gleichsetzen. Aber – Beispiel Baum – vielleicht den Apfel (als Teilwert eines Baums) mit einem „Erdapfel“, der Kartoffel.

Die alte, zu meiner Begeisterung fortgeschriebene Betrachtung über Veränderungen des Lernens, des Rechnens, des Umgangs mit der Mathematik am Beispiel der Kartoffel, verlinke ich hier.

Ich nehme an, die dort dargestellte Entwicklung ist nachvollziehbar. Wir sind auf einem anderen Stand als in den 1950ern. – Gleichwohl, viel Spaß !

Busch und Pappelreihe nahe Elbdeich – nachmittags, so um Sonnenuntergang.

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Ein Requiem ?

Kürzlich auf einer Rad-Tour an Mühlenau und Pinnau, Pinneberg – irgendwie sieht der südliche Bahnhofsvorplatz anders aus.

„… schönes Viertel …“ wirbt es vom B-Plangebiet „Mühlenauquartier“. Linker Hand … fehlen vertraute Bäume.

Anwohnerinnen und Anwohner haben sich dazu geäussert.

Sie sind wütend und traurig.

Und fragen sich, warum das so sein muss.

Die Stadt Pinneberg beschreibt das Geschehen hier.

Vor Ort geht es weiter.

Diese noch nicht alt gewordenen Bäume blühen nicht mehr.

Sie filtern keinen Staub mehr, produzieren keinen Sauerstoff.

Ganz davon zu schweigen, dass in der Klimadiskussion, gar beim Klimahandeln die Bedeutung von Bäumen, ihr Altern lassen von Politik und Verwaltung nicht hinreichend erkannt, wertgeschätzt wird.

Nehmen wir einen frei wachsenden Baum in der Nähe als Beispiel.

Eine ältere Rotbuche in der Nähe.

Sie hat einen Astradius von ca. 10 m.

Hier kann man sich konkret veranschaulichen, was rund um „den Baum“ so an Themen, Zahlen ansteht.

Planungen werben gern damit, dass gefällte Bäume ersetzt werden.

Wie – 1 : 1 ? Noch mehr Werbung für das Handeln wird dann mit Hinweisen wie „Für jeden gefällten Baum werden 2 nachgepflanzt.“ vermeintlich erzeugt.

In der oben verlinkten Pressemitteilung der Stadt Pinneberg liest sich das so „deutlich mehr und standortgerechtere Bäume neu gepflanzt als im Bestand vorhanden waren.
Die Fällung der Bäume und die Neupflanzung von Bäumen entsprechen dem gültigen Bebauungsplan und dem von den städtischen Gremien beschlossenen Projekt „Neugestaltung des südlichen Bahnhofsumfeldes“.“

Na, wenn das beschlossen ist, ist ja alles klar. – Alles klar?

Die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

Bäume können auch Mathematik sein. Ich weiss, manch eine(n) schmerzt die Erinnerung an dieses Fach in der Schulzeit. (Spätestens im Beruf wird allerdings klar, dass das Leben voller Zahlen und Berechnungen ist. Gleichwohl, wenn ich unserer Populisten und Narzissten bei den derzeitigen Personenküren so sehe und höre, scheint mir, dass statt „Berechnungen“ das Leben einiger eher von „Berechnung“ geprägt wird. – Cave canem! Für Nicht-Lateiner „Hüte dich vor dem Hunde!“)

Oft wird ein Baum ja als „Stock“, Stamm, linear, mit einer grünen Kugel drauf betrachtet.

Ok, es berechnen sich beim Radius (Astlänge, s. voriges Foto) r = 10 m

  • der Umfang u = 62,832 m = 20·π
  • die Kreisfläche A = 314,159 m² = 100·π
  • die Oberfläche O = 1256,637 m² = 400·π
  • das Volumen V = 4188,79 m³ = 1333,333·π
  • und vieles mehr … (und, sehr auffällig, immer ist – nein, nicht „der fiese Fis“, das fiese  π [Pi], „die Kreiszahl π“, mit dabei …)

Was soll der Quatsch?

Obige Zahlen sind leicht auf örtliche Realität zu übertragen. Ein Jungbaum mit vielleicht 1 m³ Kronenvolumen wäre also „im Doppel“ ultraweit davon entfernt, einen Altbaum zu „ersetzen“. Im Fall der Rotbuche, rein volumenbezogen betrachtet, wären um die 4.200 Bäume ein Ersatz. Bei Kosten pro Baum von ca. 200 € (Material, ohne Pflanzkosten) wären das also 840.000 €.

Für diesen, einen Baum.

Vielleicht hilft diese fiskalische Betrachtung dabei, den Wert eines stehen gelassenen, alten Baums in seiner geradezu unendlichen ökologischen Bedeutung zu erfassen.

Gern lasse ich mich in der Höhe kritisieren, korrigieren. Ein Vergleichsbeispiel  aus unverdächtiger Quelle zeigt, dass die Größenordnung stimmt.

Haben Sie mal, z.B. über die bekannten Internet-Quellen, Satellitenfotos im Hinblick auf die Parkplätze der von Ihnen besuchten Einkaufszentren angesehen? Stehen da Bäume – pro 4 Parkplätze vielleicht 1 Baum?

Wird in etwa solche Größenordnung in neuen B-Plänen schriftlich fixiert, für Altbestand Bau nachgefordert?

Wer gern „in English“ liest, findet greifende Stadtbeispiele in dieser kostenlos herunterladbaren Klima-, Wasser-Veröffentlichung „Water for the Recovery of the Climate„. – Wie so oft, „nix Neu`s“, wo aber, bitte sehr, angewendet in täglichem Umgang mit unserer bebauten Umwelt?

Noch ein Link zu „Der ökologische Wert von Stadtbäumen für die Diversität„.

Hilfe aus Hamburg, aus Dresden.

Bleibt die Hoffnung auf den Wonnemonat „Komm, lieber Mai und mache …“.

Und der Mai macht – mögen alle Planer und Abwäger, alle Zögerer und Zauderer auch zu Machern werden! Der Klimawandel wartet nicht.

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