Im Beitrag vom 28. April 2024 hatte ich unter anderem Funde im Spülsaum des Wedeler Sandstrands präsentiert und mich über die Zusammensetzung gewundert. Ein größeres, braun-rötliches Bruchstück erinnerte mich entfernt an eine Seepocke.
Inzwischen ist dieser Fund, zusammen mit den anderen, in der Tote-Tiere-Sammlung unseres Hamburger Familienzweigs untergekommen.
Und, wie sich das in heutiger Zeit so gehört, wurden diverse Apps bemüht. Das Rätsel musste geknackt werden!
Sieh da, mindestens aus belgischen und niederländischen Meeres- bzw. Brackwassergebieten ist das Tier so um die Jahrtausendwende bekannt. Wenn ich das alles richtig gelesen habe, stammt es aus pazifischen Küstengewässern Süd- und Zentralamerikas und wurde vom „alten Darwin“ 1854 als Megabalanus coccopoma beschrieben. Ob „mein“ Bruchstück nun von einer nördlicheren Art stammt, sei dahingestellt.
Nun also auch in deutschen Gewässern … – Gleich westlich neben dem Sandstrand Wedel liegt der Bauhof Wedel des Wasser- und Schiffahrtsamt Hamburg. Von dort werden nicht nur Schifffahrtszeichen wie Fahrwassertonnen in Teilen der Elbe ausgelegt. Sie werden auch vom Bewuchs gereinigt, sobald das erforderlich ist.
So ist das Seepockenbruchstück vielleicht auf recht kurzem Weg im Spülsaum des Sandstrands Wedel gelandet.



Interessant ist es ja, diese menschenverursachte Wanderung von Arten um die halbe Welt. Und rückgängig zu machen vermutlich niemals mehr, wenn es klimatisch für die Neuankömmlinge passt.
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Ja, spannend zu sehen, wer da alles neu erscheint – und von wo – und wie!
Schiffs- und anderer Transport (z.B. Feuerbrand vor Jahrzehnten entlang der Autobahnen, worauf von NL z.B. Cotoneaster als Wirt diese (land)wirtschaftschädigende Krankheit transportierte), aber nicht zuletzt Kanalbau für Binnenschifffahrt, Beispiel Rhein-Main-Donau. Was da an Muscheln, Krebstieren, Fischen (z.B. etliche Grundelarten) bei uns auftauchte …
„Biogeographie der Eiszeit“ habe ich mal als Vorlesung gehört – ultra vermittelnd, praxisnah. – Manches, innerhalb des Kontinents, füllen wir schlicht so wieder auf. Durch die querliegenden Alpen sind in den Eiszeiten nördlich davon allerhand Arten verlorengegangen. Kaum eine Chance, ohne unser zufälliges Zutun, dass diese nennenswert den Norden wieder erobern könnten.
Wir arbeiten dran …
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Die eiszeitlich verursachte Artenarmut betrachten viele ja als Augangspunkt zur Beurteilung des Normalen. Das erschwert so manche Diskussion darüber, was als „invasiv“ bedenklich sei und sogar mit verboten belegt werden sollte.
Man könnte es gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels als Interessenkonflikt zwischen Konservativen und Zweck-Optimisten beschreiben.
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🙂
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