Wie immer ein Muss bei Juelsminde-Ferien: die Angeltour zur Vejle Å.

So richtig verrät der Morgenhimmel noch nicht, wie der Tag werden soll. Also: doppelte Garnitur - für feucht und heiss/trocken - einpacken.

Idyllische Partie mit überhängenden Bäumen - leider noch allzu selten. "Anglers would hate the natural" sagt ein wissender englischer Freund ...
Angesichts jahrzehntelanger Restaurierung – gesteuert von den inzwischen abgeschafften dänischen Ämtern (hier: Vejle Amt) – und jetzt in gut aufgestellten Städten kommunal fortgesetzter Verbesserung ist es kein Wunder, dass eine Vielzahl Flüsse in DK entstanden ist, in denen kein Fischbesatz mehr erfolgt. Es hat sich gezeigt, dass die Natur viel besser nachhaltig – d.h. über den Lebenszyklus und über Generationen von Organismen – produziert, als Menschenhand das vermag. Bei ein Bisschen Nachdenken ist das kein Wunder, trainiert die Natur doch seit Jahrmillionen, während der „homo sapiens“ (was für eine Selbstüberschätzung!) erst Neubürger auf der Erde ist.
Die Fangstatistiken sprechen für sich – hier als Beispiel die Vejle- und die Skjern Å. Erstere hat in den vergangenen Jahren den Meerforellenertrag von gut 100 auf über 1.000, letztere den Lachsertrag in gleicher Größenordnung gesteigert, allerdings ist man hier Richtung Besatzeinstellung noch auf dem Weg.
Vorweg habe ich den Sitz des Dänischen Anglerverbands in Vingsted besucht. Hier wird demnächst in Kofinanzierung mehrerer Partner eine Mäandrierung des Flüsschens erfolgen und ein Neubau für den Verband entstehen, der auch als Fortbildungs- und Naturcenter dienen soll. Der Dänische Anglerverband sieht sich als Sachwalter lebendiger Gewässer und ihrer Entwicklung dahin. Eine hohe Fachlichkeit, angelehnt an geltendes Recht liefert ein ausgezeichnetes Fundament für Stellungnahmen in allen gewässerbezogenen Angelegenheiten. Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wird intensiv verfolgt, Kooperationsprojekte zur Gewässerrenaturierung bieten regionale Beispiele zum Nachmachen, Zuständige werden hartnäckig an ihre Aufgaben erinnert. – Deutsche Anglerverbände können sich da ein Scheibchen abschneiden …
Wie man vor dem Hintergrund der dänischen Erfahrungen Bäche und kleine Flüsse mit leichter Hand verbessern kann, ist hier erläutert.

So wird die Vejle Å hier demnächst aussehen. Neue Windungen und jede Menge Kies und Geröll in den Rauschen-Positionen. Auf das neue Zentrum (Kreise rechts unten) darf man gespannt sein.
Beeindruckend an den dänischen Bächen Ostjütlands ist ihr eiszeitgeprägtes Umfeld – eine interessante Tallage, eingerahmt in Moränenhügelketten.

Blick von halber Höhe des Moränenhangs auf Haraldskær, jetzt Sinatur Konferenzhotel.

Blick zurück vom Tal schräg hoch Richtung Fotostandort des vorigen Bildes.

Was für ein Tal! - Hier lässt es sich lernen, wandern, radeln, angeln ...

Wasser-Aspekt am Haraldskær-Brunnenablauf.

Bunte Kuhherden ergänzen das Bild.

Seitwärts im Feuchten stehen ein paar schwarze Ochsen.
Da habe ich auch alte Bekannte aus dem Vorjahr – oder waren es nur Verwandte (?) wiedergesehen.

Dieses Mal hatte eine ausgewachsene, ca. 1,50 m lange Ringelnatter imposant zusammengerollt an Land auf mich gewartet. Leider hatte sie kein Interesse, abzuwarten bis meine stümperhaften Bemühungen mit dem Fotoapparat eine vollständige Nahaufnahme ermöglichten. - So ist denn der Kopf des flüchtigen Tieres inzwischen im Gras verschwunden ...
Bei der 2. Angeltour zeigte sich – wie 2010 schwimmend – ein ca. 70 cm langes Jungtier. Schon schön zu sehen, wie sich die Natur erholt, wenn man sie denn lässt …

Tanzplätze und Grastunnel mit Wasserrutsche des Fischotters sind schon fast alltäglich geworden - man muss sie "nur" erkennen.

Schöne Fischotterspur (hier: ein Foto vom Ufer eines norddeutschen Bachs).
Ein Bisschen Kraxelei bietet etwas mehr, als der „Gemeine Angler“ so erlebt.

Kleinster Quellbach im Laubwald - wie schön, dass die Moränensteine nicht geklaut sind, sondern noch zeigen können, wie so etwas naturnah aussieht.

Gefälle im Moränenhang - Eiszeitschmelzwasser hat dem Quellbach ein interessantes Tal verpasst.

Jede Menge Totholz gehört natürlich auch dazu.

In lichteren Partien solcher Laubwaldgebiete kann man schicke Weinbergschnecken an Großer Klette entdecken.
Bei all dem Gejubel über dänische Gewässer soll die „Groß-Realität“ aber nicht aus dem Auge geraten: Dänemark konkurriert im EU-Agrar-Subventions-Wahnsinn mit Niedersachsen um den 1. Platz, wer die höchste und überdüngteste Industrieagrar-Produktion erzielt. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen für Boden, Binnengewässer und Meere (= Link zu Ostsee-Foto vom Wien-Kongress HydroEco 2011).

Fließgewässer im EU-Industrieagrarland - Mais bis in die äusserste Uferkante, strukturloses Ufer und öde Gewäassersohle bei Überbreite und übertief eingeschnittenem Querschnitt - auch in Dänemark gibt es noch viel zu tun. Hier aber weiss man, was und wie - und arbeitet eins nach dem anderen ab.

Weite Flächen des Einzugsgebietes sehen nicht viel besser aus als der Uferrand: Subventionierte Verarmung der Landschaft - Mais, so weit das Auge reicht.
Noch ein paar Fotos in Hinblick auf zu Verbesserndes folgen hier.

Standorttypischer Baumbewuchs - optisch sehr schön, auch der vielgeschmähte Kormoran kann hier mangels "Landebahn" höchstens schwimmend von baumfreien Nachbarstrecken rein. Aber die Überbreite und das übertief eingeschnittene Profil fordern noch erhebliche Restaurierungsaktivitäten.

Wie im vorangegangenen Foto - Erlen, Eschen, Weiden, Ulmen. Der Fluss wartet auf weitere Verbesserung seiner internen Struktur.

Nanu, Massen an Eisenocker - dieser Sturzbach war früher immer glasklar, sein Grund normal! Mal sehen, ob jemand weiss, welcher Eingriff in den Bodenwasserhaushalt des Einzugsgebiets diese schädlichen Folgen hat.
So, die Sonne steigt immer höher und brutzelt ganz ordentlich. Wohl dem, der auch immer mal Schatten findet …

Scheinwerfer am blauen Himmel - wohl dem, der in Watstiefeln herumstiefelt, wenn er Baum- oder Wolkenschatten geniessen kann ...

Ein plastisches Beispiel für die von Prof. Dr. Wilhelm Ripl vorgestellten Überlegungen zu Boden- und Gewässerschutz sowie notwendiger Anpassung an den Klimawandel: auf dem Höhenrücken links die Landschaft kühlender Wald, rechts in sonniger Gluthitze liegende Intensiv-Agrarfläche.

Es gibt natürlich Anblicke, die gerade bei diesem Sonnenschein besonders herausstechen. - Neugierig habe ich nachgeschlagen, hier also die Lösung für Interessierte: es handelt sich um die Blutbär-Raupe, die das giftige Alkaloid des Jacobs-Kreuzkrauts vertragen kann.

Gut geschützt vor Regen: Blattlaus-Armeen an der Unterseite von Uferpflanzen.

Dem in Watstiefeln Stiefelnden kommt allerdings angesichts dieses schönen Radweges nur in den Sinn "It`s a long way to Tipperary ...".

Arme Sau - ´tschuldigung, armes Rind - haben sie dir auch noch die Schatten spendenden Äste geklaut und nebendran liegen lassen ? !

Ahhh, endlich ! ! ! In weiser Voraussicht war das Auto im Schatten geparkt worden. Jetzt ist Gelegenheit bei ordentlich kühlem Wasser, Obst und Aufgeschmiertem ein Bisschen Pause zu machen.
Ein Angelttreff an einer netten Privatstrecke hat mich dann allerdings noch das im Sommer 2011 an der Ostseeküste andernorts so charakteristische „Nass in Massen“ erleben lassen.

Ich habe angesichts des (schmalen) Sturzregenbandes extra noch angerufen. Die Antwort "Bei mir scheint die Sonne - fahr mal los!".

Linker Hand eine schwarze Wand: Fünen meldet vermutlich "Land unter".

Jetzt hat uns die von rechts (Norden) reingezogene Regenwand erwischt - Tempo 50, dann 40 ist angebracht.

Am Treffpunkt - Sonnenhimmel im Westen. Wo, bitte, ist denn hier das Tal? - Aber dann: wie abgeknipst hört der Wolkenbruch auf, seine Grenze ist gequert.

Der Blick von der Höhe Richtung Bachmündung zeigt die abziehende Regenfront.

Auch hier auf welligen Moränenhöhen - Agrarsteppe.

Bunte Neozoen - Fasanen - zeigen vor mir keine Scheu (das Auto auf dem Feldweg nehmen sie nicht als Feind wahr).

Und so haben wir denn einen Angelabend mit spannender Kulisse im Westen genossen.

Nun soll es aber genug sein, bevor wir im Dunkeln ins Wasser fallen. Wir räumen den Platz für die wahren Angler, die nachts die dicken Fische fangen - oder auch nicht.
Na, wenn denn trotz spannender Erlebnisse am Bach kein Fisch für die Pfanne rauskommt, gibt es ja einen großen Trost.

Ein Fischgeschäft mit guter Auswahl an frischem Seefisch kann sich immer sehen lassen.

Vor dem Kauf von Tun und Zuchtlachs sollte man sich allerdings ein paar Gedanken machen - Überfischung, unnötiger Tod zahlreicher Beifänge bzw. übelste Meeresverschmutzung an Küstenbereichen und in Fjorden sowie Naturpopulationen vernichtende Parasitenschwemmen sind nur einige der extrem negativen Begleiterscheinungen dieser Angebotsform. Zum Glück gibt es Alternativen.

Anderswo angeln ist ja immer ein Erlebnis, aber die heimischen Gewässer ... kennt man halt besser ... 🙂 (MF, 63 cm).
Nein, ich meine nicht die Sommerurlauber – die meisten Norddeutschen sind ja schon weg.

Manch einer hat ganz schön lange an meinem Desktop-Foto gerätselt. Dabei ist die Alster (bzw. ihr "Mühlenteich", die Außenalster im Hintergrund) doch leicht zu raten ...
Während heute den ganzen Tag über im Radio, NDR 2, so getan wurde, als würde ganz Niedersachsen in Sturm und Fluten untergehen, konnten Mutige „draussen in der Natur“ Schickes erleben.

Prachtlibelle Calopteryx splendens - hier ein Weibchen, charakteristisch für wärmere Bachbereiche - also quellfernere Strecken, Flüsse, oder (noch) nicht standorttypisch restaurierte Forellen- und Äschenregionen des oberen Bachlaufs (dort ist C. virgo Zeigerart für gute Lebensraumverhältnisse).
(Ok, jeder kann sich die Realität im Vergleich zur mangelhaften Wettermeldung auch vorab durch Ansehen des Regenradars online verdeutlichen: es ziehen Streifen mit heftigem Regen durchs Land. Als ob das etwas Neues und Besonderes wäre …)

Calopteryx splendens-Männchen. Hier sieht man am Flügel die Bedeutung des Artnamens "Gebänderte Prachtlibelle". Bei C. virgo vom sommerkühlen Bach sind die Flügel der Männchen insgesamt dunkelblau und sie hat daher sinniger Weise den Namen "Blauflügel-Prachtlibelle".
Die Gewässer sind entsprechend dem in diesem Jahr vorherrschenden Wetter und der dementsprechend hohen Wasserentnahme für diverse Nutzungen eher leer bis extrem leer.

Blick aus Otter-Perspektive Bach-aufwärts: Sonst flutende Wurzeln sind seit Monaten trockengefallen - verdammt wenig Wasser!

Der Fischotter blickt von derselben Stelle Bach-abwärts - dadurch ist auch nicht mehr Wasser im Bach (zu sehen).

Ein Bisschen Geld aus dem "Kies-Topf" würde die Niedrigwasserlebensraumsituation des Bachs erheblich verbessern.
Und der Elbe geht es weiter schlecht, wie im hierunter folgenden Blog-Eintrag vom 7. Juli zu lesen ist.
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Vorab
Allen Beteiligten ist klar: Keine „Lebendige Alster“ ohne „Lebendige Elbe“ (schließlich leben unsere Gewässersysteme nicht zuletzt von freier Durchwanderbarkeit für die Gewässerorganismen) – und der Elbe geht es zur Zeit gar nicht gut. Wenn da nicht mal wieder „Männer baggern„.

Die im westlichen Hafenbereich liegende Messstation Seemannshöft zeigt trotz mäßiger Wassertemperatur bei knapp unter 20 Grad Celsius erschreckend niedrige Sauerstoffgehalte! Bei 1,5 bis 2,5 mg Sauerstoff pro Liter Elbewasser geht selbst robusten Fischen die Puste aus. Zehner Kilometer des Flusses sind betroffen. Die stark gezackte Kurve zeigt den Tidegang (Ebbe und Flut). Die braune Linie zeigt, dass im Sedimenthaushalt irgend etwas stattfindet.
Lebendige Alster – die Umweltverbände Aktion Fischotterschutz, BUND Hamburg und NABU Hamburg haben ein neues Kooperationsprojekt gestartet. Mit von der Partie sind das für die Alster zuständige Bezirksamt Wandsbek und die BSU, die die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in Hamburg steuert.
Der Arbeitstag beginnt vielversprechend.

Leichter Frühnebel beim Start in den Arbeitstag.

Da ist sie aber schon, die Sonne.

Junge, Junge, wenn das nicht in Sonnenbrand ausartet ...

Durch den Frühnebel sausen wir Richtung Hamburg.

Am Bahnhof Harburg hat die Sonne eindeutig die Oberhand gewonnen.

Wem es tagsüber zu heiss wird, dem sei die U-Bahn empfohlen.

Wandsbek-Markt - die nachgepflanzten Bäume müssen noch Jahre wachsen, um ihre Leistung zur Anpassung an den Klimawandel voll zu leisten.

Poppenbüttel - vorbei am Antje-Brunnen geht es durch schattige Alleen Richtung Alster - Treffpunkt für den "Symbolischen Stein-Schmiss".

Die Veranstalter sind gespannt - werden Film, Funk und Fernsehen diesen Treffpunkt finden?

Schon sind sie zahlreich angekommen, Bleistift gespitzt, Kamera geputzt.

Lebendige Alster - realisierbar unter anderem durch Verbesserung der Strömungsvielfalt und Gewässerstruktur.

Steine und Handschuhe für den "symbolischen Stein-Schmiss" liegen bereit.

"Hallooo, wann schmeissen wir denn endlich?!"

Ok, die Kameras sind bereit.

"Ich zähle! - Auf Drei ..."

Na, geht doch.

STOP! - Sicherheitspause, denn ...

Lebendige Alster - der Mensch zählt mit.

War so schön - nochmal von hier schmeissen! (Wann hat man als Erwachsener schon die Gelegenheit, das Kind wieder rauszulassen?!)

Toll - ist fast ein Strickmuster geworden.

3 Schattenmänner - die Alster brodelt.

Auf dem Rückweg - vorbei an der Großbaustelle Hafencity in den niedersächsischen Teil der Metropolregion Hamburg.
[Bei der Organisation der Veranstaltung wurde ich gefragt, ob ich mein copyright für den „Symbolischen Stein-Schmiss“ für diese Veranstaltung abtrete. – Klar doch, der Insider weiss ja, wo das Original steht. 🙂 ]
Nochmal die Anmerkung vom Start wiederholt (man kann es gar nicht oft genug sagen!): Allen Beteiligten ist klar: Keine „Lebendige Alster“ ohne „Lebendige Elbe“ (schließlich leben unsere Gewässersysteme nicht zuletzt von freier Durchwanderbarkeit für die Gewässerorganismen) – und der Elbe geht es zur Zeit gar nicht gut. Wenn da nicht mal wieder „Männer baggern„.

Die im westlichen Hafenbereich liegende Messstation Seemannshöft zeigt trotz mäßiger Wassertemperatur bei knapp unter 20 Grad Celsius erschreckend niedrige Sauerstoffgehalte! Bei 1,5 bis 2,5 mg Sauerstoff pro Liter Elbewasser geht selbst robusten Fischen die Puste aus. Zehner Kilometer des Flusses sind betroffen. Die stark gezackte Kurve zeigt den Tidegang (Ebbe und Flut). Die braune Linie zeigt, dass im Sedimenthaushalt irgend etwas stattfindet.
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Weltnaturerbe „Buchenwälder“ – da gratuliere ich Dir ganz herzlich, Nationalpark Kellerwald-Edersee!
Da freut sich auch Socke von de Dreyster Drift, der unter anderem in Buchenwäldern begeistert Pilze im Erdboden sucht, findet und auffrisst.

Socke, prima zu Wege für seine gut 8 Jahre!
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Mai – Juni, jetzt ist wieder die Zeit der Maifliege, auch Große Eintagsfliege genannt. Wie alle anderen Bachbewohner ist auch sie Nutznießer der Gewässerrestaurierungen, bei denen die Lebensraumstruktur von wüster Einfalt zu bunter Vielfalt entwickelt wird. Nicht zuletzt standorttypische Bäume (pdf, 5 MB) am Ufer sind wesentlicher Bestandteil hierzu.
Ein Larvenfoto und ein treffliches Gedicht finden sich hier.

Sieht so aus, als müsse sich die Maifliege noch einmal häuten, um ihre Hochzeitsform zu erlangen.
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So, nach fast einem Monat ist es wohl an der Zeit, das Reise-Rätsel vom 6. Mai aufzulösen.

Dieser Mozart war nicht mein Fußabtreter in Salzburg ...

... Er liegt im Hotel Mozart in ...

So, jetzt ist`s raus.
Die internationale Konferenz HydroEco 2011 hatte nach Wien geladen. Auf der Internetseite werden in absehbarer Zeit die meisten Präsentationen nachlesbar sein.

Der Hausherr, Prof. Nachtnebel, beschrieb in einem launigen Vortrag, dass Modellierer oft allzu wenig vom Objekt wissen. Dennoch - und das wurde dem schmunzelnden Publikum gut hergeleitet - "funktonieren die Modelle irgendwie..." . 🙂

Am Beispiel Mona Lisa zeigte Prof. Nachtnebel, wie das Bild aus - zunächst unscharf wirkenden - Puzzlesteinen/Einzeleindrücken entsteht.
Beeindruckt hat die – notwendige – Interdisziplinarität, mit der gewässerbezogene Themen vorgestellt und diskutiert wurden. Das Einzugsgebiet mit seinen Herausforderungen wie z.B. exzessive Bodennutzung mit entsprechend inakzeptabler Erosion, Grundwasserentnahme für Trinkwasser- und Beregnungszwecke, die – verschärft durch den laufenden Klimawandel – Probleme bringt für Quellen, „headwaters“ – also Laich- und Aufwuchsgebiete vieler gefährdeter Tierarten und den Standort hier charakteristischer Pflanzenarten. Beim Thema Wasserentnahme darf der Hinweis auf die im flächenhaften Ausmaß inzwischen dramatische Auswirkung der Flächendränung nicht vergessen werden – vielerorts hat sie bereits die Wirkung wie Intensivversiegelung im bebauten Raum und hat die Abflusscharakteristik des Einzugsgebiets völlig verändert, die Bodenqualität ist zerstört und die Eutrophierung der Folgegewässer drastisch erhöht. – Bäume, Galerie- und Auwald in ihrer Bedeutung für den Lebensraum, Hitze/Kühle/Wassermenge im Hinblick auf Klimawandel passten gut ins Internationale Jahr der Wälder 2011. Dazu gibt es noch immer nicht genug zu hören. – Die fortbestehende Gefährdung der Meere durch z.B. Stickstoffüberdüngung aus Landwirtschaft und Verkehr wurde – wie seit Jahrzehnten – klar beschrieben einschließlich notweniger Maßnahmen, die diesen beiden heiligen Kühen bislang nicht als grundlegend erforderlicher Handlungsrahmen vorgegeben werden.

Die Einzugsgebiete sind übermäßig gestresst.

Es ist nicht immer leicht, vom örtlichen Eindruck auf das Ganze zu schließen - und umgekehrt. Nur übergreifendes Betrachten und handwerklich sauberes Arbeiten bringen gemeinsam ein qualifiziertes Ergebnis.

Algenblüte - schon wieder früh in Nord- und Ostsee, gekoppelt mit Sauerstoffschwund im Tiefenwasser und Massentod. Die Ursachen sind bekannt - der Stickstoff aus der Landwirtschaft wird trotzdem nicht entsprechend runtergefahren. Wie lange soll der Steuerzahler noch für Umweltzerstörung zur Kasse gebeten werden ? !
Nicht vergessen werden darf natürlich die Grundlagenforschung im Hinblick z.B. auf den Klimawandel. Auch dazu gab es hervorragende Eindrücke.

Wie verhalten sich die so wichtigen Grundwasserorganismen im Klimawandel ?

Natürlich will jedes Tierchen sein Pläsierchen - und verabschiedet sich, wenn es ihm nicht mehr gefällt.
Sehr interessant waren auch die zahlreicher werdenden Langzeitbetrachtungen – hier ein Link zum eigenen Beispiel. Möge die Politik sich die hieraus erkennbaren dringend nötigen Handlungsschritte endlich zu eigen machen, statt sogar selbst entwickelte rechtliche Vorgaben wie die Wasserrahmrenrichtlinie mit fixiertem Zieljahr 2015 ins – 2fach verschobene – Ausnahmejahr 2027 zu verdrängen.
Nachtrag: Nichts ist vollkommen. So fehlte auch hier eines – die Fischspezialisten des Veranstaltungsinstituts. Schade! Aber zur Not kann man von denen ja Gutes lesen.
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Und wieder war uns der heilige Petrus hold – der Regen wäre zwar nötig gewesen …

Begeisterte Studenten und Gäste am Start - mal sehen, was wir so erleben werden.
Da waren sie wieder, TU Hamburg-Harburg-Studenten aus aller Welt – dieses Mal aus Dänemark, Italien, Indien, Indonesien, Luxemburg, Mexiko, Rumänien, Schweden, Spanien, Türkei, USA, Vietnam und Deutschland, um sich praktizierte Gewässerökologie in der Samtgemeinde Tostedt anzusehen. Mit den Heidebächen Seeve, Este, Oste und Wümme sowie ihren Nebenbächen gibt es hier viel zu sehen, zumal 3 Jahrzehnte Gewässer-Restaurierungspraxis nicht alltäglich sind.

Mitten im Mai - seit Herbst offener Boden, Wind- und Wassererosion ausgesetzt. Standortangepasste Bodenbearbeitung sieht anders aus.

Auf einen solch leichten Boden gehört Dauergrün, am Besten Wald. Eine Schande, dass wir Steuerzahler hier per ErneuerbaremEnergieGesetz die Fruchtfolge Gülle - Mais höchst subventionieren!

Beregnung aus dem oberen Grundwasserleiter - monatelang. Kein Wunder, dass die Bäche im Umfeld austrocknen.

Hier durfte der - kanalartig ausgebaute - Forellenbach seinen standorttypischen Erlensaum über 25 Jahre entwickeln - ein guter Anfang für bessere Zeiten.

Wo Grünfutter ist, ist die Kuh nicht fern - hier der Erlenblattkäfer mit Frau. Gefressen haben sie auch schon, wie man sehen kann.

In sachgemäß restaurierten Strecken bildet sich Vielfalt - wechselnder Steingrund, lichter Schatten und die Pflanzen als "Wasserbaumeister" verhelfen dem Bach zu seinem turbulenten Stromstrich.

Da freut sich der Bachflohkrebs - auch er ein Freund der Erlenblätter. Daneben sind Eintagsfliegenlarven zu sehen. Die Kriebelmückenlarven, Feinpartikelstrudler, zeigen den oberhalb liegenden Teich an, der bach-untypisches Algenplankton abtreiben lässt.

Jetzt geht`s in einen sehr abwechslungsreichen Wald / Forst.

Extrem wenig Wasser auf der Rausche zeigt, dass es wochenlang nicht geregnet hat und - vor allem - dass der obere Grundwasserleiter durch Trinkwasserentnahme und Agrarberegnung schon jetzt im Mai extrem beansprucht ist.

Im Wald finden wir keinen lebendigen Waldbach, sondern eine kanalartig ausgegrabene Sandwüste. Der elende Zustand muss verbessert werden!

Buhnen allein bringen hier kaum Veränderung.

Wunder bewirkt der Treibselsammler (mal im Blog die Kategorie "Hölzchen und Stöckchen" erforschen): vorbei Treibendes wird zu dreidimensionaler Struktur gesammelt, massenhaft Wirbellose finden ein Zuhause, auch Fische erhalten endlich wieder ihr Dach über dem Kopf.

Eine weitere Wunderfunktion der Treibselsammler kann genutzt werden für die Wiederherstellung der Gleithänge bzw. neuer Ufer - hier gerade beginnend. Der Unterhaltungsverband freut sich, braucht er doch vor Ort gehaltenen Boden nicht anderswo teuer zu baggern.

Dann gingen wir noch an einen Wiesenbach-Abschnitt. - Hallo! Wiesenbach-, nicht Wiesen-Abschnitt!

Alt-Erle, Zeugin der Vergangenheit, belegt früheren, viel schmaleren Bachquerschnitt. Ihre Wurzeln sind wesentlicher Bestandteil des gesunden Bachs und des erosionsgeschützten Ufers.

Wo der Bach seine Turbulenz zurückgewonnen hat, kommt neben anderen Anzeigern dieser Verbesserung vielleicht sogar die Steinfliegenfamilie zurück - wir waren begeistert.

Bei so viel Erlebnissen kann man dann schonmal ein Bisschen ausgelassen werden - auf geht`s zum Bus.

Das war ein Exkursionswetter! - Zu Hause angekommen sieht es dann wenig später ausgesprochen dunkel aus - geregnet hat es aber erstmal nicht.
Na ja, ein Bisschen Regen hat es seitdem ja doch gegeben aber immer so 2; 4,5; 5; 5 Millimeter am Tag – es reicht halt noch immer nicht. Kein Wunder, dass die Elbe weniger als 500 m³ / s Wasser führt und sich das Sauerstoffloch mit fischkritischen Werten im Hamburger Hafen einrichtet, pendelnd mit Ebbe und Flut.
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Als das Pflanzenschutzgesetz die letzten Male novelliert wurde, wurde jeweils darauf hingewiesen, Hauptziel sei vor allem, den Gifteinsatz in der Landschaft zu verringern. Das Gegenteil ist seitdem der Fall.

Unser täglich Gift gib uns heute.
Die flächige Anwendung von Giften wie Roundup wird übrigens zum großen Teil für das seit Jahren zu verzeichnende Amphibiensterben verantwortlich gemacht. – Daneben gibt es in weiteren Themenfeldern viel zu tun.

Die Farben unserer Industrie-Agrarlandschaft: gelb und grün. Gelb steht für die flächige Giftanwendung, "Totalherbizid". - Diese Art Grün lässt auf unseren leichten Böden auf solch guten Gülle-Einsatz schließen, dass Grundwasser und Quellen ihren Teil abbekommen haben.

Dasselbe gelb und grün anderswo - achten Sie mal darauf. - Nebenbei bemerkt: vorn ein Opfer von Baumhass entlang einer Gemeindeverbindungsstraße, im Hintergrund die Folge nicht vorhandenen Naturbewusstseins in der Lokal- und Regionalpolitik: Alleen werden bestenfalls verbal "geschützt", wie jetzt im Vorfeld der Kommunalwahl.
Anderes Thema: Klimawandel.
Da wird uns täglich berichtet, wesentliche Punkte bei der Anpassung an den stattfindenden Klimawandel seien der Rückhalt des Wassers vor Ort, unter anderem, um Hochwässer zu entschärfen. Ein weiterer Punkt ist die Kühlung der Landschaft.
Statt dessen beweisen kräftig durch Steuermittel unterstützte Berufskreise, dass gegenteiliges Handeln offenbar noch immer möglich ist. Geld ist ja da. Von den höchsten Punkten der Einzugsgebiete an werden nach wie vor Flächen gedränt. Wenn in trockeneren Jahreszeiten Wasser fehlt, hat man ja seine Wasserentnahme-Konzession und beregnet eifrig. Bachoberläufe fallen zunehmend in Strecke und Dauer trocken.

Hier ist - wie an so manchen Stellen heutzutage - wieder an einem Hochpunkt des Gewässereinzugsgebiets eine Flächendränung vorgenommen worden. Drän wech, dat Woder!

Der hier Handelnde muss wohl ganz nebenbei auch noch Baumhasser sein.

Wer hier reinfällt ...

Normaler Weise sorgt der gut wasserdurchlässige Boden für eine gute Aufstockung des Grundwasserspiegels - Quellen, Bachläufen und - nicht zuletzt - über Trinkwasser uns Menschen zum Nutzen. - Hier sorgt der Steuersubventionierte mit unserem Geld dafür, dass Quellen, Bachläufe und Trinkwasserversorger Probleme bekommen. Von der Aufstockung des Hochwasserproblems durch schnelles Wegleiten von Wasser aus der Fläche einmal ganz zu schweigen.
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Am 26. Februar 2011 fand die 45. Fachtagung der AFGN statt. Die „Arbeitsgemeinschaft für Fischarten- und Gewässerschutz in Norddeutschland“ hatte wieder mit einem interessanten Programm geladen, das Fisch- und Gewässerschutz-Themen über die gesamte Bandbreite transportierte. Ziel war das Restaurant „Alter Landkrug“ in Nortorf, Schleswig-Holstein.

Wer jetzt (ooohh, Wochenende!) um halb acht aufsteht, kann - mit Glück - den Sonnenaufgang sehen.

Vorbei am sich immer extremer lichtenden Kulturdenkmal "Allee entlang der B75" startet die Fahrt.

Kurz vorm Ziel Nortorf - warum nur gucke ich immer in der Gegend herum, es musste ja so kommen: Gegüllt auf Schnee und Frostboden. Tauperiode produziert wahre "Gülleseen".

Und der grabenartige Bach nebendran hat natürlich seinen Teil gleich mit abgekriegt. - Da spreche mal einer von "ordnungsgemäßer Landwirtschaft"!
Und so kamen sie denn aus den norddeutschen Bundesländern, von der dänischen, niederländischen bis zur polnischen Grenze angereist, um über Entwicklungen zu hören und zu sehen, Neues zu erfahren.

"Holsteinisches Haus", das Veranstaltungslokal.
Die Vorträge werden im Internet zu finden sein.

Kurz vor dem Start - munter ins Gespräch vertieft.

Und schon ging`s los - offenbar ist da irgendwo links Interessantes zu sehen und zu hören.
Der Lachs als Indikator für weltweit erforderlichen, glaubwürdigen Umweltschutz zeigt leider nach wie vor, dass politische Ansagen und reales Handeln weit auseinander klaffen. So lange die Ozeane steuersubventioniert überfischt werden, exzessives Fisch-Farming eine Bandbreite neuer, für den Laien schier unvorstellbarer Probleme schafft, sind positiv angelegte Gelder im Arten- und Gewässerschutz nur ein verschwindender Tropfen auf den heissen Stein … – wie so Vieles in heutiger Zeit: eine Schande für zielloses Politisieren!
(Nicht nur) Wurzeln sind wichtig! Der Trainings-Vortrag (2009) beim Wildfisch Wernigerode zum Thema „Bäume am Forellenbach“ steht im Netz (pdf, 5 MB). Die Erkenntnis „Unsere Heidebäche brauchen Hilfe“ (pdf, 5 MB) gilt fort, aber es sind bereits wesentliche Verbesserungen erreicht. Dies ist möglich, weil mit allen vor Ort Beteiligten bereits um das Jahr 2000 ein Gewässerentwicklungsplan mit Maßnahmenkatalog erarbeitet wurde.
Durchgängigkeit der Fließgewässer für alle wandernden Organismen (pdf, 2 MB) ist zwar ein wesentliches Ziel der Wasserrahmenrichtlinie, aber längst nicht jede Bauvariante lässt alle wanderwilligen Lebensstadien der Gewässerwelt erfolgreich ihren Weg finden und gehen / schwimmen …

Fischpass am Nordufer der Elbe, Europas größter, wenn man der Werbung glauben darf. - Hier unscharf, unten folgen bessere Bilder.
Wie immer man zu dem gerade entstehenden Kohlekraftwerks-Monstrum im Südwesten Hamburgs steht – es bringt zusätzliche Luftbelastung für weite Teile der Stadt und wird mit seinem unnötig groß konzipierten Kühlwassergebrauch unendliche Verluste in der Elbfisch-Populationen anrichten; Aber die in Geesthacht entstandene Fischpassage am Nordufer der Elbe ist schon sehenswert.

Nicht nur der Lachs, alle wanderwilligen Elbe-Organismen sollen hier ihren Weg finden und nutzen können.

Gigantisch!
Das Mittags-Buffet war ausgesprochen überzeugend – Dank auch an dieser Stelle an die Küche und die Bedienung!

Das Buffet bot nicht nur köstliche Fischplatte. "Eigentlich alles", was Küche so bieten kann, stand in hervorragender Qualität zur Auswahl.
Nun, liebe Referenten des Nachmittags, haben wir uns entschuldigt. Wenn wir schon in der Gegend sind, wollten wir doch die Arche Warder fix besuchen. Nicht nur Fische und anderes Gewässergetier, sondern auch alte Nutztierrassen verdienen unsere Aufmerksamkeit.

"Ja, ich erinnere mich." sagt das Kind "Hier war ich schonmal."
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