Wie immer ein Muss bei Juelsminde-Ferien: die Angeltour zur Vejle Å.

So richtig verrät der Morgenhimmel noch nicht, wie der Tag werden soll. Also: doppelte Garnitur - für feucht und heiss/trocken - einpacken.

Idyllische Partie mit überhängenden Bäumen - leider noch allzu selten. "Anglers would hate the natural" sagt ein wissender englischer Freund ...
Angesichts jahrzehntelanger Restaurierung – gesteuert von den inzwischen abgeschafften dänischen Ämtern (hier: Vejle Amt) – und jetzt in gut aufgestellten Städten kommunal fortgesetzter Verbesserung ist es kein Wunder, dass eine Vielzahl Flüsse in DK entstanden ist, in denen kein Fischbesatz mehr erfolgt. Es hat sich gezeigt, dass die Natur viel besser nachhaltig – d.h. über den Lebenszyklus und über Generationen von Organismen – produziert, als Menschenhand das vermag. Bei ein Bisschen Nachdenken ist das kein Wunder, trainiert die Natur doch seit Jahrmillionen, während der „homo sapiens“ (was für eine Selbstüberschätzung!) erst Neubürger auf der Erde ist.
Die Fangstatistiken sprechen für sich – hier als Beispiel die Vejle- und die Skjern Å. Erstere hat in den vergangenen Jahren den Meerforellenertrag von gut 100 auf über 1.000, letztere den Lachsertrag in gleicher Größenordnung gesteigert, allerdings ist man hier Richtung Besatzeinstellung noch auf dem Weg.
Vorweg habe ich den Sitz des Dänischen Anglerverbands in Vingsted besucht. Hier wird demnächst in Kofinanzierung mehrerer Partner eine Mäandrierung des Flüsschens erfolgen und ein Neubau für den Verband entstehen, der auch als Fortbildungs- und Naturcenter dienen soll. Der Dänische Anglerverband sieht sich als Sachwalter lebendiger Gewässer und ihrer Entwicklung dahin. Eine hohe Fachlichkeit, angelehnt an geltendes Recht liefert ein ausgezeichnetes Fundament für Stellungnahmen in allen gewässerbezogenen Angelegenheiten. Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wird intensiv verfolgt, Kooperationsprojekte zur Gewässerrenaturierung bieten regionale Beispiele zum Nachmachen, Zuständige werden hartnäckig an ihre Aufgaben erinnert. – Deutsche Anglerverbände können sich da ein Scheibchen abschneiden …
Wie man vor dem Hintergrund der dänischen Erfahrungen Bäche und kleine Flüsse mit leichter Hand verbessern kann, ist hier erläutert.

So wird die Vejle Å hier demnächst aussehen. Neue Windungen und jede Menge Kies und Geröll in den Rauschen-Positionen. Auf das neue Zentrum (Kreise rechts unten) darf man gespannt sein.
Beeindruckend an den dänischen Bächen Ostjütlands ist ihr eiszeitgeprägtes Umfeld – eine interessante Tallage, eingerahmt in Moränenhügelketten.
Da habe ich auch alte Bekannte aus dem Vorjahr – oder waren es nur Verwandte (?) wiedergesehen.

Dieses Mal hatte eine ausgewachsene, ca. 1,50 m lange Ringelnatter imposant zusammengerollt an Land auf mich gewartet. Leider hatte sie kein Interesse, abzuwarten bis meine stümperhaften Bemühungen mit dem Fotoapparat eine vollständige Nahaufnahme ermöglichten. - So ist denn der Kopf des flüchtigen Tieres inzwischen im Gras verschwunden ...
Bei der 2. Angeltour zeigte sich – wie 2010 schwimmend – ein ca. 70 cm langes Jungtier. Schon schön zu sehen, wie sich die Natur erholt, wenn man sie denn lässt …

Tanzplätze und Grastunnel mit Wasserrutsche des Fischotters sind schon fast alltäglich geworden - man muss sie "nur" erkennen.
Ein Bisschen Kraxelei bietet etwas mehr, als der „Gemeine Angler“ so erlebt.

Kleinster Quellbach im Laubwald - wie schön, dass die Moränensteine nicht geklaut sind, sondern noch zeigen können, wie so etwas naturnah aussieht.

In lichteren Partien solcher Laubwaldgebiete kann man schicke Weinbergschnecken an Großer Klette entdecken.
Bei all dem Gejubel über dänische Gewässer soll die „Groß-Realität“ aber nicht aus dem Auge geraten: Dänemark konkurriert im EU-Agrar-Subventions-Wahnsinn mit Niedersachsen um den 1. Platz, wer die höchste und überdüngteste Industrieagrar-Produktion erzielt. Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen für Boden, Binnengewässer und Meere (= Link zu Ostsee-Foto vom Wien-Kongress HydroEco 2011).

Fließgewässer im EU-Industrieagrarland - Mais bis in die äusserste Uferkante, strukturloses Ufer und öde Gewäassersohle bei Überbreite und übertief eingeschnittenem Querschnitt - auch in Dänemark gibt es noch viel zu tun. Hier aber weiss man, was und wie - und arbeitet eins nach dem anderen ab.

Weite Flächen des Einzugsgebietes sehen nicht viel besser aus als der Uferrand: Subventionierte Verarmung der Landschaft - Mais, so weit das Auge reicht.
Noch ein paar Fotos in Hinblick auf zu Verbesserndes folgen hier.

Standorttypischer Baumbewuchs - optisch sehr schön, auch der vielgeschmähte Kormoran kann hier mangels "Landebahn" höchstens schwimmend von baumfreien Nachbarstrecken rein. Aber die Überbreite und das übertief eingeschnittene Profil fordern noch erhebliche Restaurierungsaktivitäten.

Wie im vorangegangenen Foto - Erlen, Eschen, Weiden, Ulmen. Der Fluss wartet auf weitere Verbesserung seiner internen Struktur.

Nanu, Massen an Eisenocker - dieser Sturzbach war früher immer glasklar, sein Grund normal! Mal sehen, ob jemand weiss, welcher Eingriff in den Bodenwasserhaushalt des Einzugsgebiets diese schädlichen Folgen hat.
So, die Sonne steigt immer höher und brutzelt ganz ordentlich. Wohl dem, der auch immer mal Schatten findet …

Scheinwerfer am blauen Himmel - wohl dem, der in Watstiefeln herumstiefelt, wenn er Baum- oder Wolkenschatten geniessen kann ...

Ein plastisches Beispiel für die von Prof. Dr. Wilhelm Ripl vorgestellten Überlegungen zu Boden- und Gewässerschutz sowie notwendiger Anpassung an den Klimawandel: auf dem Höhenrücken links die Landschaft kühlender Wald, rechts in sonniger Gluthitze liegende Intensiv-Agrarfläche.

Es gibt natürlich Anblicke, die gerade bei diesem Sonnenschein besonders herausstechen. - Neugierig habe ich nachgeschlagen, hier also die Lösung für Interessierte: es handelt sich um die Blutbär-Raupe, die das giftige Alkaloid des Jacobs-Kreuzkrauts vertragen kann.

Dem in Watstiefeln Stiefelnden kommt allerdings angesichts dieses schönen Radweges nur in den Sinn "It`s a long way to Tipperary ...".

Arme Sau - ´tschuldigung, armes Rind - haben sie dir auch noch die Schatten spendenden Äste geklaut und nebendran liegen lassen ? !

Ahhh, endlich ! ! ! In weiser Voraussicht war das Auto im Schatten geparkt worden. Jetzt ist Gelegenheit bei ordentlich kühlem Wasser, Obst und Aufgeschmiertem ein Bisschen Pause zu machen.
Ein Angelttreff an einer netten Privatstrecke hat mich dann allerdings noch das im Sommer 2011 an der Ostseeküste andernorts so charakteristische „Nass in Massen“ erleben lassen.

Ich habe angesichts des (schmalen) Sturzregenbandes extra noch angerufen. Die Antwort "Bei mir scheint die Sonne - fahr mal los!".

Jetzt hat uns die von rechts (Norden) reingezogene Regenwand erwischt - Tempo 50, dann 40 ist angebracht.

Am Treffpunkt - Sonnenhimmel im Westen. Wo, bitte, ist denn hier das Tal? - Aber dann: wie abgeknipst hört der Wolkenbruch auf, seine Grenze ist gequert.

Bunte Neozoen - Fasanen - zeigen vor mir keine Scheu (das Auto auf dem Feldweg nehmen sie nicht als Feind wahr).

Nun soll es aber genug sein, bevor wir im Dunkeln ins Wasser fallen. Wir räumen den Platz für die wahren Angler, die nachts die dicken Fische fangen - oder auch nicht.
Na, wenn denn trotz spannender Erlebnisse am Bach kein Fisch für die Pfanne rauskommt, gibt es ja einen großen Trost.

Vor dem Kauf von Tun und Zuchtlachs sollte man sich allerdings ein paar Gedanken machen - Überfischung, unnötiger Tod zahlreicher Beifänge bzw. übelste Meeresverschmutzung an Küstenbereichen und in Fjorden sowie Naturpopulationen vernichtende Parasitenschwemmen sind nur einige der extrem negativen Begleiterscheinungen dieser Angebotsform. Zum Glück gibt es Alternativen.

Anderswo angeln ist ja immer ein Erlebnis, aber die heimischen Gewässer ... kennt man halt besser ... 🙂 (MF, 63 cm).

















[…] Artikel „Angeln an der Vejle Å“ ist inzwischen mit allerhand Fotos bunter geworden – wird fortgesetzt. Like […]
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