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Archive for 8. August 2021

Es sollte losgehen – nach langer, gefühlt ultralanger Corona-Unterbrechung. Der NABU Pinneberg rief zusammen mit der Edmund Siemers-Stiftung zu einer Radtour entlang der städtischen Mühlenau und Pinnau auf. Da konnten Verbesserungserfordernis an unseren Bächen und kleinen Flüssen sowie bereits Geleistetes in der Praxis erlebt werden.

Die Teilnehmerzahl war aus Corona-, gekoppelt mit Platzgründen entlang der Route, auf 15 begrenzt. Viele Interessenten wurden auf andere, spätere Gelegenheiten vertröstet. Letztlich wurden gut 20 Radlerinnen und Radler begrüßt – wegschicken wollten wir dann doch niemanden. (Noch mehr wären allerdings ein Problem gewesen.)

Wie das im Sommer 2021 inzwischen so ist – der Himmel war stark wasserhaltig, musste anfangs ein wenig Niesel ablassen.

So sah es zum Beispiel vor dem Treff am S-Bahnhof mit Blick bachauf an der Fahltbrücke nördlich der Bahn aus.

Das war`s dann aber auch, die Tour selbst fand ohne Regen bei guter Stimmung und großem Interesse statt.

Bei mittlerem Abfluss – plus 50 cm – begrüßten uns Futter-Interessierte an der Mühlenaubrücke Christiansenweg.

Von uns bekamen die aber nichts.

Los ging`s querab zum B-Plan Mühlenauquartier, wo erstes Restaurieren 2017 begann.

[P.S.: Aufgrund eines „Hängers“ der online-Pegeldaten hatte ich während der Exkursion von „Mittelwasserabfluss“ (MW) gesprochen. Heute, 9. August, läuft die online-Anzeige wieder
https://www.umweltdaten.landsh.de/pegel/jsp/pegel.jsp?wsize=free&mstnr=114197
und wir sehen: Wir waren bei MW plus 50 cm unterwegs. Das ist vom mittleren Hochwasser immer noch 1 m entfernt, „nichts Besonderes“ also. – Der Text dieses Beitrags ist entsprechend geändert. – Kein Wunder, dass ich mit kurzen Stiefeln fast nicht an Tierchen heran kam. 🙂 ]

Im Foto ist der Vergleich aktueller Mittelwasserabfluss zu Hochwasser zu erkennen: Die B-Planauflagen enthalten hier im Überschwemmungsgebiet das Schaffen von Hochwasserrückhalt. Bis zum „Anspringen“ dieser Flächen muss die Mühlenau weitere mindestens 50 cm ansteigen.

Nachdem auch 2021 bereits wie in den Vorjahren lange Niedrigwasserführung den Lebensraumbereich bis zum jetzigen Mittelwasserzustand trocken liegen liess, war beabsichtigtes Tierchenfangen und -angucken angesichts Ausrüstung des Fängers lediglich mit kurzen Gummistiefeln zweifelhaft. So kam es. Mit Mühe konnte ich – hier und anderswo – erste Besiedler, Pioniere wie eine Eintagsfliegenart als Larven sowie ein paar Wasserasseln erwischen. Letztere kommen aus den durch das Restaurieren neben den turbulent erzeugten Fliessstrecken neu entstandenen Ruheräumen.

Blick bachauf – Turbulenzen durch Kiesrestaurierung und biogene Wellen …

Uferneugewinn und Ruheräume – standorttypische Stauden sowie Neophyt Drüsiges Springkraut (gern ausreissen!).

Der dreckigbraune Eindruck der Mühlenau trügt. Mit dem Haushaltssieb am Besenstiel konnte gezeigt werden, dass die Sichttiefe ca. 40 cm betrug, aufklarend nach Regenschubabfluss.

Wir blicken bachab von der Mühlenstraße Richtung Mühlenaumündung in die Pinnau, noch ein ganzes Stück weiter jenseits der Kurve.

Wo bei Niedrigwasser eine unpassierbar erscheinende steile Rampe rauscht, ist bei Mittelwasser (und höher) das Passieren von Flussfischen problemlos möglich.

Die Pinnau, Brücke Elmshorner Straße – der braune Saum auf der Ufervegetation zeigt: wir befinden uns im oberen Tidegebiet, hier normal etwa 50 cm Tidehub.

Die als Otterpausenstätte vor Brückenunterquerung angebotenen Kiesdepots sind, unter anderem, mit Blutweiderich, Großem Weidenröschen und Dost von allein besiedelt.

Beispiel Kiesdepot an der Friedrich Ebert-Straße, inzwischen von der Flut bereits 50 cm überstaut.

Hier, unter der Wasseroberfläche haben Flussneunaugen den Kies als geeignete Laichstelle befunden.

Pinnaubrücke Hindenburgdamm – der hier als tiefliegende Fläche gestaltete Kies ist durch die Überströmungswellen im „Dreieck“ links, obere Hälfte, erahnbar.

Auch der bietet Jahr für Jahr seit 2019 Flussneunaugen während der Laichzeit im April ein gutes Betätigungsfeld (aktueller Link aus 2021).

Wir fahren Richtung Cap Polonio, weiter an der Regioklinik vorbei, wieder an die Mühlenau, nach Rellingen. Dort werden beim Beproben zahlreiche Pionier-Eintagsfliegenlarven, wieder Wasserassel, aber auch der typische Bachbewohner, der Bachflohkrebs, gefunden.

Beim Wechsel über eine Holzbrücke haben wir die Grenze passiert, kommen wir wieder – wie der Paddler an heftiger Erosionsstelle (Hilfe ist möglich, wie bekannt) – auf Pinneberger Gebiet.

Treibselsammler – die Funktion „Hölzchen und Stöckchen“ wird den verbliebenen Teilnehmern erläutert – es geht auf den Rest.

Kies vor der Fahltbrücke querab Bahn – wir sind uns einig, es muss weitergehen.

Nachwort

Vom brodelnden Wetter war ja vorn und in etlichen der vorigen Beiträge zu lesen. So entschloss ich mich, nicht wie vorgesehen in Pinneberg zu Mittag zu essen, sondern angesichts von 45 bis 60 Minuten anstehender Rückfahrt eine geeignete Stätte in Wedel anzuradeln. – Das stellte sich als segensreich heraus.

Schön im Trockenen konnte ich mir beim Essen ansehen, was mich nach Essen in Pinneberg auf offener Strecke erfasst hätte – ordentlich Schlagregen (Die dunkle Optik trügt. Das Etablissement ist, draussen wie drinnen, freundlich.).

Und nach dem prima Essen und Trinken – Schlussfoto Exkursion vor pestartig mit Teichrosen zugewachsenem Mühlenteich, im Sonnenschein.

Hier zeigt sich einerseits der Alterungsprozess von Stillgewässern, „geometrische Reihe“ hilft beim Verstehen des zeitlichen Geschehens – wo ein Jahr vorher noch die halbe Seefläche frei war, ist ein Jahr später alles dicht … – Ausserdem zeigt sich das Unvermögen deutscher Verwaltung vor dem Hintergrund des Artenschutzes: Die Teichrose ist geschützt (und das ist im Grundsatz auch gut so). In jüngerer Zeit kommt (aus Formalismus oder / mangels Fachkompetenz ? ) Gutachteritis zu Lasten des Steuerzahlers auf, was denn wohl mit diesen Teichrosen gemacht werden darf. Es ist nicht zu fassen, aber Realität. Letztlich – auch ohne Gutachten – läuft es darauf hinaus, bis zu 90 % dieser, von Naturprozessen nicht schadlos beseitbarer Biomasse maschinell zu entfernen, ggf. gekoppelt mit Entschlammen des Teichs. Das war und bleibt tägliche Praxis im Umgang mit flachen Stillgewässern – es sei denn, man will aus gutem Grund hier Landentwicklung mit allen davor liegenden (oft genug stinkenden) Stadien zulassen.

Der Sommer 2021 geht weiter – mit brodelndem Himmel.

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